Man war nicht wenig verwundert, als Walther und Wachtel beim Anlanden der Fähre in dem jüngeren Manne ihren Freund Ferdinand erkannten. Man umarmte sich und Ferdinand sagte eilig: ich kann hier bei Ihnen nicht verweilen, denn mich erwartet ein dringendes Geschäft, welches ich erst abthun muß, dann wollen wir uns sprechen.
Mit mir ist es eben so beschaffen, erwiederte Walther; aber wir sehn uns hoffentlich bald wieder und verbringen in der Stadt den Abend fröhlich mit einander.
Der General, denn dies war der angesehene Fremde, mischte sich in das Gespräch und der junge Herr von Bärwald, der nicht Zeit und Umstände gern berücksichtigte, brach mit der Nachricht heraus, daß Walther auf einen Herr von Linden wartete, um mit diesem ein Duell auszufechten.
Ferdinand trat mit Erstaunen von Walther zurück, und der General rief aus: Wie? Sie sind jener Herr von Hellbusch, der meinen Neffen gefordert hat?
So ist es, erwiederte Walther, dieses ist auch mein wahrer Name, ich reisete unter einem erborgten, um, wie ich mir einbildete, besser beobachten und, selbst weniger bemerkt, Nachrichten einziehn zu können.
Sonderbar! höchst sonderbar! rief jetzt Ferdinand aus: ich nahm drüben und in Warschau den Namen Linden an, um mich nachher in Deutschland leichter den Nachforschungen meiner Gegner und den Verwandten meiner Frau entziehn zu können.
Frau? fragte Walther jetzt mit der größten Lebhaftigkeit. Allerdings, sagte der General lächelnd, vor drei Tagen ist meine Nichte Maschinka meinem guten Neffen Ferdinand drüben im Preußischen in meiner Gegenwart und auf mein Wort und meine Bürgschaft, als seine rechtmäßige Gemahlin angetraut worden. Und Sie, Herr von Hellbusch (indem er sich an Walther wendete), können mit dem besten Gewissen Kampf und Krieg aufgeben, denn Brüder und Verwandte sind durch meine Vermittlung mit dem neuen Gatten ausgesöhnt, und Ihr Vetter, welcher Ansprüche auf Maschinka zu haben glaubte, hat sich ebenfalls verheirathet.
Da Alles sich so gefügt hat, sagte Walther, so bin ich der glücklichste aller Menschen; denn ich darf den Mann als Freund umarmen, den zu lieben und hochzuschätzen mir schon längst auf meiner Reise zum Bedürfniß geworden war.
Indem öffnete ein Jäger den Schlag der Kutsche und eine schöne Dame stieg aus derselben, um Walther höflich zu begrüßen. Wachtel, der sie mit Verwundrung angesehn hatte, rief aus: Ei, wie kann man denn so reizend seyn! das heißt mit dem Schönsein kein Maß halten! Das versteht meine Frau viel besser, die sich wohl hütet, die häßlichste auf der Welt zu seyn. Aber eigen ist es zugegangen, daß zwei Menschen, die sich als Todfeinde verfolgen, ein paar hundert Meilen in ein und demselben Wagen so gelassen und schläfrig neben einander sitzen.
Jetzt nahm Ferdinand das Wort und erzählte, wie Maschinka seinetwegen ihre Familie verlassen und in Angst nach Deutschland herübergekommen sei. Sie fürchtete, zu einer Verbindung gezwungen zu werden, und da der Oheim abwesend war, so wußte sie keinen andern Rath, als sich den Ihrigen, welche sie tyrannisirten, zu entziehen. Ferdinand war vorangegangen, um einen sichern Aufenthalt zu suchen. So kam sie über die Oder, und von einem Briefe einer Freundin gelenkt, suchte sie sich, wenn auch nur auf kurze Zeit, bei der Gattin Wachtel’s zu verbergen, der die Freundin sie empfohlen hatte, ohne von ihren Schicksalen etwas Näheres zu melden. Hier erfuhr sie, daß man ihr nachstelle, daß ein Vetter des Mannes, dem sie hatte vermählt werden sollen, von Warschau ihr nachgereiset sei, und daß die Brüder dieses aufdringlichen Bräutigams sie ebenfalls suchten. Sie war also, nachdem sie ihrem Geliebten eine kurze Nachricht nach Madlitz gesendet hatte, schon wieder entschwunden, als dieser nach Guben kam.