Er ging mit feierlichem Schritte fort, und Schmaling folgte ihm zitternd. Die Zurückgebliebenen sahen sich forschend an, und wußten nicht, was sie aus diesen letzten Worten machen sollten. Nur Sangerheim schien sie zu verstehn und sank bleich und von Anstrengung erschöpft, in einen Sessel zurück. Meine Freunde, sagte er nach einiger Zeit, ihr seid Alle Zeugen der wunderbaren Begebenheit, die sich zugetragen hat. Ihr wißt nun Alle, welche Kämpfe, welche Gefahren ich noch zu bestehn haben werde: welche Angriffe mir aus dem Geisterreiche her drohen. Erliege ich in meinen großen Bemühungen, so war es doch nicht Unkunde, die mich auf diesen gefahrvollen Weg trieb, sondern die Liebe zum Heiligsten der Wissenschaft.
Alle verließen den Meister, dankend, hoffend, ihn ermunternd, und Jeder ging tiefdenkend nach seinem Hause.
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Schmaling trat mit dem Großmeister, dem unbekannten Obersten, zu welchem ihn eine ungemessene Ehrfurcht, eine Art von Anbetung hinzog, zugleich in sein elegantes Schlafgemach, indem er an allen Gliedern zitterte. Ich wage es, Ihnen zu folgen, Größter aller Sterblichen, — doch, was sage ich? vielleicht einem Unsterblichen.
Feliciano sah ihn mit einem hochrothen Gesicht und glänzenden Augen an. Dem Jüngling erschien der Meister in einem wunderbaren Lichte, denn er sah, daß Dieser wankte, und sich lachend niedersetzte. Ei! mein Kind, fing er darauf an, da bist Du ja auch! Das ist schön, daß Du kommst, so können wir noch in stiller Nacht ein wenig mit einander schwatzen.
Er stand wieder auf, und wankte nach einem Schranke hin. Ich habe mich verleiten lassen, fing er wieder an, heute, meiner Gewohnheit entgegen, viel zu sprechen, und noch mehr von den starken Weinen zu trinken. Unpolitisch. Ich will mich nun an diesem Trank, den ich nur meinen ägyptischen Wein zu nennen pflege, wieder nüchtern zechen, weil dieser noch viel stärker ist, als dort das beste Getränk. — Er leerte einen großen Becher, den er aus einer sonderbaren Flasche gefüllt hatte, die in allen Farben glänzte und mit vielfachen Hieroglyphen bemalt war. — Trink, mein Söhnchen, sagte er dann, und reichte dem jungen Manne den Becher, koste wenigstens diesen Wundertrank.
Schmaling setzte bald ab, denn diese Essenz, aus Gewürzen abgezogen, war ihm zu stark. Feliciano sah ihn freundlich lächelnd an und sagte: Liebes Bürschchen, kein Mensch in der Welt hat mir noch so sehr als Du gefallen, begleite mich, sei mein Freund und wahrer Schüler, und ich will Dir alle meine Weisheit mittheilen. Das andre Menschenvolk ist so plump und unliebenswürdig, Keiner ist mir noch aufgestoßen, dem ich mich ganz ergeben möchte. Du allein hast mein Herz gewonnen, und zu Dir möchte ich wahr und offen seyn können, weil mich das Zusammenschnüren, wie ich es der Uebrigen wegen mit mir treiben muß, genirt und langweilt. — Aber was wolltest Du noch von mir erfahren oder erfragen?
Die Stimme des Mannes lallte, und es schien, als wenn dieser ägyptische Wein eher das Gegentheil, als die beabsichtigte Wirkung hervor gebracht hätte. Schmaling war verlegen und mochte sich selber nicht gestehn, was er zu bemerken glaubte; er sagte: Großer Meister, wenn es mir erlaubt ist, zu fragen, und noch einen Augenblick bei Ihnen zu verweilen, so möchte ich wohl erfahren, wie Sie es gemeint haben, was meinem Freunde die Geister, und auf welche Art sie ihm schaden könnten: was Sie sagten, schien zwar ein gewisses Licht zu geben, war mir aber doch noch unverständlich.
Feliciano schlug in seinem Sessel ein lautes Gelächter auf, an dem er sich nur nach geraumer Zeit ersättigte, dann sagte er: Je, Kind, liebstes Kind, nimm doch Vernunft an. Was ich dort gesagt haben mag, weiß ich nicht mehr, aber ich meine, es wird mit seinen Geistern und allen den Geschichten ein klägliches Ende nehmen, weil der Gimpel selbst an seine Geister glaubt.
Weil er an sie glaubt? fragte Schmaling im höchsten Erstaunen.