Der junge Spanier, Alfons, war im entzückten Erstaunen einen Schritt zurück getreten, denn der Ruhm dieses großen Lehrers hatte auch ihn von Barcelona über die See getrieben. Also er war es, er war es selbst? rief er begeistert aus: darum war auch mein Herz so tief bewegt. Mein Geist erkannte den seinigen. O edler, frommer Mann, wie lieb’ ich Euch darum, daß Ihr ihn nicht minder verehrt, wie alle Edlen und Guten der christlichen Welt.

Wollt wohl auch unter ihm studiren? fragte der Priester im grimmigen Ton.

Gewiß, antwortete jener, wenn er mich würdiget, sich meiner anzunehmen.

Der Alte stand still, legte seine Hand auf die Schulter des Jünglings und sagte dann milder: Lieber junger Freund, noch ist es Zeit, hört noch meine väterliche Warnung, bevor es zu spät ist. Täuscht Euch nicht selbst, wie es so Viele, Unzählige schon gethan haben, seid auf Eurer Hut und wahret Eurer Seele. Seid Ihr denn Eurer Ruhe und künftigen Seligkeit schon im voraus überdrüssig, wollt Ihr dem Heiland seine Liebe damit vergelten, daß Ihr ihm abtrünnig werdet, ihn leugnet, und als ein Rebell die Waffen gegen ihn schwingt?

Ich verstehe Euch nicht, alter Mann, erwiederte Alfonso: habt Ihr nicht selbst gesehn und gehört, wie fromm, wie christlich, mit welcher eindringlichen Majestät der Herrliche sprach, und den verirrten Schmerz der Liebe durch himmlischen Trost wieder in seine rechte Bahn lenkte?

Was vermag, was kann der nicht alles! dieser Künstler und Zauberer! rief der alte Priester bewegt aus.

Zauberer? fragte Alfonso. Ihr wollt also auch den Wahn des Pöbels theilen, der die Wissenschaft hoher Geister nicht zu würdigen weiß und lieber das Abgeschmackte glauben, als die eigne Seele an der Erhabenheit des Mitbruders stärken will?

Fahrt nur so fort, sagte der Priester erzürnt, so habt Ihr kaum nöthig, in seine weltberühmte Schule zu treten. Es ist augenscheinlich, sein Zauber hat Euch schon umstrickt, so wie er jedes Herz bezwingt, das nur in seiner Nähe schlägt. Ja wohl, der Heide, hat er heut wie ein Priester gesprochen und geweissagt, und seiner Lüge auch einmal diese Farbe angestrichen. So regiert er auch das Haus des Podesta’s. Die arme Crescentia konnte kaum in ihren letzten Stunden den Rückweg zur heiligen Kirche wieder finden, so war ihre Seele in den Irrlehren befangen, die der böse Heuchler wie giftige Netze um den jungen Geist geworfen hatte. Jetzt ist sie ihm entronnen, der Herr hat sie zu sich gerufen, und sandte diese Krankheit, um ihre Seele mit dem Verluste des Leibes zu retten.

Die Sprechenden waren auf den großen Platz gekommen. Der Jüngling war empört und sagte jetzt, um seinem Gefühle Luft zu machen: wozu nur, geistlicher Herr, diesen grimmigen Neid? Seht ihr denn, erkennt ihr es denn nicht, wie die Welt nur um so mehr von euch abfällt, um so mehr ihr mit Bann und Fluch und Verfolgung den neuen Geist ersticken wollt? den Geist der ewigen Wahrheit, der jetzt alle Landschaften erregt? Der nicht wieder, trotz eurer Künste, untertauchen wird, um gläubig euren Legenden zu horchen.

Wohl, sagte der Alte im hohen Zorne; haben wir doch jetzt Averroes statt Christus, und Aristoteles statt des Allmächtigen, und diesen Euren Pietro, diesen Ischarioth, statt des Geistes! Nicht wahr, der Erdgeist hat ihn groß und schlank auferbaut, und ihm ein feuriges Auge, edle Stirn, schönen Mund der Ueberredung, und majestätische Geberden geliehen, um zu gaukeln und zu täuschen: indeß ich, der unwürdige Diener des Herrn, hier krank, schwach und unansehnlich wandle, und nur mein Bekenntniß, meinen Glauben habe, um darzuthun, daß ich ein Christ sei. Ich kann nicht so in die Tiefen glänzender Weisheit hinabsteigen, nicht den Lauf der Sterne berechnen, Glück und Unglück vorhersagen, ich werde von den Ueberklugen geschmäht und verachtet, aber ich trage es demüthig, ihm zu Liebe, der mir alles auferlegt hat. Doch erwartet das Ende, und seht, ob ihn seine sieben Geister, die er im Zauberbanne hält, erretten können, ob ihm sein Famulus, das Höllengebild, dann zur Hülfe seyn wird.