Der erzürnte Priester Theodor hatte sich schon vor dem Schluß dieser Rede entfernt, und der melancholische Antonio verwies dem kleinen Gesellen seinen Muthwillen; doch dieser rief aus: fangt Ihr nur nicht auch an zu moralisiren! das leide ich einmal von keinem andern als meinem Herrn, denn der ist dazu in der Welt, die Moral, die Philosophie und dergleichen zu doziren. Aber diese Windfahne von Mönch da, die nur von Neid und Bosheit so knarrend herum gedreht wird, weil er meint, ihm geschieht durch meinen herrlichen Meister ein Abbruch an Autorität, Geld und Gut, der soll nicht den zahnlosen Mund aufthun, wo ich mein ungewaschnes Maul nur irgend brauchen kann; und von einem jungen Studenten leide ich auch keine Widerrede, denn ich habe mir schon den Bart verschneiden lassen, als Euer Vater noch im Westerhemdchen lief; Prügel in der Schule und den Esel bekam ich schon umgehängt, als sie Eurem erlauchten Großvater die ersten Hosen anthaten, darum erzeigt den Respect da, wo er hingehört und vergeßt niemals, wen Ihr vor Euch habt.
Erzürne Dich nicht, kleiner Mann, sagte Antonio, ich meine es gut mit Dir.
Meint’s, wie Ihr wollt, rief jener. Mein Herr wird Prälat, wißt Ihr das schon? Und Rektor der Universität! Und eine neue goldne Gnadenkette hat er von Paris erhalten! Und Ihr sollt zu ihm kommen, weil er verreisen und Euch vorher noch einmal sprechen will. Schleppt Euch nicht mit Pfaffen so herum, wenn Ihr ein Philosoph seyn wollt.
In krummen, wunderlichen Sätzen sprang er wieder die Straße hinüber, und Antonio sagte zu Alfonso, der jetzt hinzutrat, und seit einiger Zeit sich oft freundlich zu ihm gesellte: ich weiß niemals, wenn ich mit der kleinen Mißgeburt rede, ob sie ihre Worte ernsthaft, oder nur im Scherze meint. Scheint er doch über sich selbst und alle Creatur zu spotten.
Das ist ihm, antwortete Alfonso, ein nothwendiger Ersatz, um sich über seine Ungestalt zu trösten, denn durch seinen Hohn macht er in seiner Einbildung alle übrigen Geschöpfe sich gleich. Aber wißt Ihr schon von den neuen Ehren, die unserm herrlichen Lehrer und Meister zugetheilt sind?
Die Welt, erwiederte Antonio, erkennt sein hohes Verdienst, und daß auch der Papst, unser heiliger Vater, ihn jetzt zum Prälaten macht, das wird den neidischen Priestern und Mönchen, die den tugendhaften und frommen Mann immerdar verketzern wollen, endlich Schweigen gebieten.
Sie trennten sich, und Antonio eilte, von seinem Lehrer auf einige Tage Abschied zu nehmen. Der kleine Zwerg Beresynth erwartete ihn schon in der Thür mit grinsender Freundlichkeit.
———
In den Zimmern war es schon trübe, und da Beresynth den Jüngling verließ, so ging dieser, der seinen Lehrer im Saale, auch in seiner Bücherstube nicht traf, durch die vielen Gemächer, und gelangte so bis in das innerste, welches er noch niemals betreten hatte. Bei einer dämmernden Lampe saß hier Pietro und verwunderte sich nicht wenig, den Florentiner eintreten zu sehn, der über die Gerippe, seltsamen Instrumente und den wunderlichen Hausrath des Greises erstaunt war. Nicht ohne Verlegenheit näherte sich der Alte. Ich hatte Euch hier nicht erwartet, sagte er, sondern dachte Euch draußen zu treffen, oder Euch oben in Eurem eigenen Zimmer aufzusuchen. Ich soll dem Abgesandten des Papstes, unsers heiligen Vaters, entgegen reisen, um sein Schreiben und die neue Würde, die seine Gnade und väterliche Güte mir mittheilt, demüthig und dankbar vom Prälaten dort anzunehmen.
Antonio war befangen, und schien die Instrumente und den unbekannten Apparat genau zu betrachten. Ihr verwundert Euch, sagte der Alte endlich, über alle diese Dinge, die mir zu meinen Studien nöthig sind; wenn Ihr einmal meine Vorlesungen über die Natur besucht habt, werde ich Euch in Zukunft alles erklären können, was Euch jetzt vielleicht unbegreiflich erscheint.