Zu den Anhängern Philipps gehörten der Herzog Bernhard von Sachsen, früher selbst Bewerber um den Thron, und der Erzbischof von Magdeburg[19]. Nach dem thüringischen Feldzug im Jahr 1204, der sich mit der Unterwerfung des Landgrafen Hermann endigte, oder als im Jahr 1207 Philipp, mit Otto unterhandelnd, sich in jener Gegend befand[20], mag es geschehen seyn, daß er die Weihnachten zu Magdeburg feierte. Walther war bei dieser Feier anwesend, in einem farbenhellen Gemälde, den altdeutschen auf Goldgrund ähnlich, zeigt er uns den Kirchgang des Königs mit seiner Gemahlin, der griechischen Irene, und dem Gefolge der Thüringer und Sachsen.

Es gieng ein's Tages, als unser Herre ward geborn
Von einer Magd, die er sich zur Mutter hat erkorn,
Zu Magdeburg der König Philippe schöne.
Da gieng ein's Kaisers Bruder und ein's Kaisers Kind
In einer Wat, wie auch der Namen zweene sind;
Er trug des Reiches Zepter und die Krone.
Er trat viel leise, ihm war nicht jach;
Ihm schlich eine hochgeborne Königinne nach,
Rose ohne Dorn, eine Taube sonder Gallen.
Die Zucht war nirgend anderswo,
Die Thüringer und die Sachsen dienten da also,
Daß es den Weisen mußte wohl gefallen.
(I 127b)

Magd, Jungfrau. ein's Kaisers Bruder &c., Philipp war Bruder Kaiser Heinrichs VI. und Sohn Kaiser Friedrichs I. Wat, Gewand. Rose ohne Dorn, Taube sonder Galle, Beinamen, die sonst auch der heiligen Jungfrau gegeben werden. Zucht, Hofzucht, Hofdienst. den Weisen, den Kennern.

Dem königlichen Paare, das uns hier im Glanze der Macht und des Glückes erscheint, sind finstre Geschichten bereitet. Kurze Zeit nachher, 1208, fällt Philipp durch Mörderhand, und Irene, die Rose ohne Dorn, verwelkt am Kummer über seinen Tod.

Wir haben die schmerzliche Klage des Dichters über den Verfall von Deutschland vernommen. Es hat uns daraus eine seiner schönsten Eigenschaften angesprochen, die Vaterlandsliebe. Dieses edle Gefühl ist die Seele eines bedeutenden Theils seiner Dichtungen. Ueberall erregt es ihn zu der lebhaftesten Theilnahme an den öffentlichen Angelegenheiten. Ihm gebührt unter den altdeutschen Sängern vorzugsweise der Name des vaterländischen. Keiner hat, wie er, die Eigenthümlichkeit seines Volkes erkannt und empfunden. Wie bitter wir ihn vorhin klagen und tadeln hörten, mit stolzer Begeisterung singt er anderswo den Preis des deutschen Landes, vor allen andern, deren er viele durchwandert:

Ihr sollt sprechen: willekommen!
Der euch Mähre bringet, das bin ich.
Alles, das ihr habet vernommen,
Das ist gar ein Wind, nun fraget mich!
Ich will aber Miethe,
Wird mein Lohn halb gut,
Ich mag leichtlich sagen, das euch sanfte thut;
Seht, was man mir Ehren biete!

Ich will deutschen Frauen sagen
Solche Mähre, daß sie desto baß
Sollen aller Welt behagen;
Ohne große Miethe thu' ich das.
Was wollt' ich zu Lohne?
Sie sind mir zu hehr.
Drum bin ich gefüge und bitte sie keines mehr,
Als daß sie mich grüßen schöne.

Ich hab' Lande viel gesehen
Und der besten nahm ich gerne wahr.
Uebel müsse mir geschehen,
Konnt' ich je mein Herze bringen dar,
Daß ihm wohl gefallen
Wollte fremde Sitte!
Was denn hülfe mich, ob ich mit Unrecht stritte?
Deutsche Zucht geht doch vor allen.

Von der Elbe bis an den Rhein
Und herwider bis in Ungerland,
Da mögen wohl die besten seyn,
Die ich irgend in der Welt gekannt.
Kann ich recht schauen
Gut Geläß und (schönen) Leib
So mir Gott! so schwüre ich wohl, daß da die Weib
Besser sind, denn anderswo die Frauen.

Deutsche Mann sind wohlgezogen,
Gleich den Engeln sind die Weib gethan;
Wer sie schilt, der ist betrogen,
Anders könnt' ich nimmer sein verstahn.
Tugend und reine Minne,
Wer die suchen will,
Der soll kommen in unser Land, da ist Wonne viel;
Lange müsse ich leben darinne!
(I 119b)