Mähre, Nachricht, Botschaft. ein Wind, ein Nichts. Miethe, Bezahlung, Botenlohn. sanfte thut, wohl thut. Sie sind mir &c. vgl. Nibel. V. 2240. dar, dahin. Kann ich rechte schauen &c. das Benehmen (Gelässe) und die Schönheit der Frauen als Kenner zu beurtheilen, galt für eine schätzbare Eigenschaft. Vgl. Nibel. V. 2385. Ulr. v. Lichtenst. Frauend. S. 20. Man. II 24a, 36a. die Weib, die Weiber ebenso Mann, Männer. gethan, beschaffen. betrogen, falsch berichtet.
Dritter Abschnitt.
Walthers Wanderleben. Der Hof zu Thüringen.
Die Hofsänger. Des Dichters Ansichten
von Fürsten und Fürstenräthen, von
Geburt, Freundschaft, Manneswerth. Blicke
in sein Inneres.
Die Sänger jener Zeit waren nothwendig wandernde. Mochten auch die Herren, welche sich im Liede zur Kurzweile übten, auf ihren Burgen daheim bleiben: Diejenigen, welche den Gesang zu ihrem Berufe gemacht, mußten sich auf den Weg begeben. Um Unterhalt und Lohn zu finden, mußten sie den Höfen und Festlichkeiten gesangliebender Fürsten nachziehn. War doch der Hof des Kaisers selbst ein wandernder, bald in dieser, bald in jener Stadt des Reiches sich niederlassend. Krönungstage, Fürstenversammlungen, Hochzeitfeste, das waren die Anlässe, bei welchen die Kunst- oder Prunkliebe der Großen sich am freigebigsten äusserte. War dazumal das gewöhnliche und häusliche Leben einfach, so waren dagegen festliche und öffentliche Zusammenkünfte desto glanzvoller.
Auch vom äussern Lohne abgesehen, mußte der Dichter wandern, wenn er mit den Angelegenheiten der Zeit bekannt werden, wenn er, bei noch sehr unvollkommenen Mitteln der Verbreitung geistiger Erzeugnisse, sich selbst Anerkennung, seinem Liede Wirksamkeit verschaffen wollte. Darum war es den alten Meistern allerdings zu thun. Reinbot von Dorn, der die Legende vom h. Georg in Gedicht gebracht hat, spricht die Hoffnung aus (V. 56-63), daß sein Werk über alle deutschen Lande, von Tirol bis nach Bremen und von Preßburg bis nach Metz, werde bekannt werden. Auf der andern Seite wird im Titurel (Cap. 4, Str. 542) die Besorgniß geäußert, daß der Schreiber das Rechte unrichtig machen möchte. Am sichersten aber wurde die Fälschung vermieden, wenn der Dichter selbst vortrug. Wollte er versichert seyn, daß seine Tonweise richtig gesungen werde, wollte er seine eigene Fertigkeit im Gesange geltend machen, so war ohnehin sein persönliches Erscheinen erforderlich.
So war denn auch Walthers Leben das eines fahrenden Sängers. Er reist zu Pferde, vermuthlich die Geige mit sich führend[21]. Daß er seine Lieder selbst vorgetragen, ist aus einigen derselben noch hörbar[22]. Zu Hof und an der Straße läßt er sie ertönen (I 136b). In einem Morgengebet empfiehlt er sich unter Gottes Obhut, wohin des Landes er heute reiten möge (I 129a). Er beruhigt seine Geliebte über seine Abwesenheit:
Meiner Frauen darf nicht werden leid,
Daß ich reite und frage in fremde Land'
Nach den Weiben, die mit Würdigkeit
Leben (der ist viel manche mir bekannt)
Und die schöne sind dazu;
Doch ist ihrer keine,
Weder groß noch kleine,
Der Versagen mir jemals wehe thu'!
(I 118b)
Er hat der Lande viel gesehen, wie wir zuvor ihn singen hörten. Von der Elbe bis an den Rhein und wider bis in Ungerland hat er sich umgesehen, von der Seine bis an die Mur, von dem Po bis an die Drave hat er der Menschen Weise erkannt (I 131b). Am Hofe von Oesterreich haben wir ihn zuerst getroffen, am Hofe von Thüringen finden wir ihn jetzt wieder.
Hermann, Landgraf in Thüringen (von 1195 bis 1215), den sich Philipp in dem vorerwähnten Feldzuge von 1204 unterworfen[23], behauptet eine ausgezeichnete Stelle unter den fürstlichen Freunden der Dichtkunst. Er setzte schon den Meister Heinrich von Veldecke in den Stand, seine Aeneide, die ihm neun Jahre lang entwendet war, zu Ende zu führen. (Eneidt V. 13268 ff.) Auf seinen Anlaß bearbeitete Wolfram von Eschenbach den Wilhelm von Oranse (H. Georg V. 34 ff.) und für ihn verdeutschte Albrecht von Halberstadt die Verwandlungen Ovids[24]. Vornemlich aber ist er durch den Wettstreit der Sänger an seinem Hofe zu Wartburg berühmt geworden.