den Hornung &c. die Winterkälte, das Erfrieren der Zehen. baß gethan, Comparativ von wohl-gethan, wohlgemacht, schön. ohne meinen Dank, wider meinen Willen. Ich war so &c. Der Dichter drückt aus, wie anhaltendes Ungemach ihn menschenfeindlich gemacht und sein Lied verbittert. Die frohere Stimmung wird jetzt auch seinen Gesang freundlicher machen.

Noch ein andres Lied, dessen wir früher schon zu erwähnen hatten, feiert den glücklichen Wechsel des Schicksals. Wir sehen hier den Sänger mit der Geige, eine Tanzweise aufspielend:

Da Friedrich aus Oesterreiche also warb,
Daß er an der Seele genas und ihm der Leib erstarb,
Da führt' er meiner Kraniche Tritt in die Erde.
Da gieng ich schleichend wie ein Pfau, wohin ich gieng.
Das Haupt mir nieder bis auf meine Kniee hieng:
Nun richt' ich es auf nach vollem Werthe.
Ich bin wohl zu Feuer kommen,
Mich hat das Reich und auch die Kron' an sich genommen.
Wohlauf! wer tanzen wolle nach der Geigen!
Mir ist meiner Schwere Buß',
Erst will ich eben setzen meinen Fuß
Und wieder in ein Hochgemüthe steigen.
(W. Hds. S. 170)

Da führt' er &c. da macht' er, daß ich meine Kraniche, Schnabelschuhe, nachdenklich in die Erde drückte. nach vollem Werthe, mit vollem Rechte. meiner Schwere Buß', meiner Noth Erleichterung. eben setzen, das Gegentheil des vorigen in die Erde führen.

Diese Liederreihe dürfen wir nicht verlassen, ohne ein Gedicht des Sankt Gallischen Truchsessen von Singenberg[36] anzuführen, das einem der vorstehenden nachgebildet ist und sich auf dasselbe bezieht. Wie dort Walther den Vogt von Rom und König von Apulien anruft, so hier der Truchseß den Vogt der Welt und König des Himmels. Der Truchseß stellt dem mißlichen Loose Walthers sein eigenes behagliches und unabhängiges Leben gegenüber und bittet Gott, ihm dieses zu erhalten:

Der Welte Vogt, des Himmels König! ich lob' euch gerne,
Daß ihr mich habt erlassen, daß ich nicht lerne,
Wie Dieser und Der an fremder Statt zu meinem Gesange
scherne.
Mein Meister klaget so sehre von der Vogelweide,
Ihn zwinge dieß, ihn zwinge das, das mich noch nie bezwang;
Das machet, daß ich mich so kaume von dem Meinen scheide,
Mir geben denn hohe Herren und ein schönes Weib ihr Habedank.
So reite ich spät und komme doch heim; mir ist nicht zu weh,
Da singe ich von der Heide und von dem grünen Klee.
Das stetet ihr mir, milder Gott, daß es mir nicht zergeh'!
(W. Hds. S. 149)[37]

an fremder Statt, an fremdem Orte. scherne, blicke, drein schaue, urtheile. zwinge, quäle. so kaume &c. nicht leicht mein Heimwesen verlasse. stetet, erhaltet, festigt.

Fünfter Abschnitt.
Walthers Minnesang.


Walther hat den König versichert, wenn er seines Wunsches gewährt, wenn ihm eine Heimath geschaffen würde, dann wollte er singen von Vögelein, von der Heide, von Blumen und von schönen Frauen. Er bezeichnet damit die Bestandtheile des Minnesangs und giebt uns Anlaß, nunmehr seine eigentlichen Minnelieder zu betrachten.