Wir müssen jedoch zurückkehren, um nun auch die Lichtseite seines Minnesanges darzulegen. Wenn dieser Dichter nicht in derjenigen Gattung von Minneliedern voransteht, deren Seele die innigste Empfindung ist, so ergreift er dagegen auch hier durch die sinnliche Kraft seiner Darstellung, durch die Anschaulichkeit und den Farbenglanz seiner Lebensbilder; Vorzüge, die er uns schon anderwärts bewährt hat. Es sind in dieser Beziehung einige etwas muthwillige Lieder nicht minder auszuheben, als andre von würdiger hoher Art.
Zuerst eine Tanzweise, ein Reigen:
»Nehmet, Fraue, diesen Kranz!« --
Also sprach ich zu einer wohlgethanen Magd --
»So zieret ihr den Tanz
Mit den schönen Blumen, so ihr's auf euch tragt.
Hätt' ich viel edel Gesteine,
Das müßt' auf euer Haupt,
Ob ihr mir es glaubt.
Seht meine Treue, daß ich es meine!«
»Fraue! ihr seyd so wohlgethan,
Daß ich euch mein Schapel gerne geben will,
Das allerbeste, das ich kann.
Weißer und rother Blumen weiß ich viel;
Die stehn so ferne in jener Heide,
Da sie schön entsprangen
Und die kleinen Vögel sangen,
Da soll'n wir sie brechen Beide.«
Sie nahm, das ich ihr bot,
einem Kinde viel geleich, dem Ehr' geschieht.
Ihre Wangen wurden roth,
Wie die Rose, da man sie bei Lilien sieht;
Des mußten die lichten Augen sich schämen.
Da neigte sie mir viel schöne,
Das ward mir zu Lohne;
Wird mir noch mehr, das will ich schweigend nehmen.
(I 125a)
seht meine Treue, man denke sich hiebei die Bewegung des Schwörens oder des Handschlags. meine, ernstlich meine. Schapel, Kranz, Kopfschmuck. geleich, gleich.
Wie es mit dem Blumenbrechen[40] gemeint sey, verräth ein weiteres Lied, an dem der hörbare Wohllaut der Singweise zu bewundern ist:
Unter der Linden, _ an der Heide,
Da unser Zweier Bette was,
Da möget ihr noch finden, _ schöne beide,
Gebrochen Blumen unde Gras,
Vor dem Walde, in einem Thal,
Tandaradai!
Schöne sang die Nachtigall.
Ich kam gegangen _ zu der Aue,
Da war mein Friedel kommen eh'.
Da ward ich empfangen, _ hehre Fraue!
Daß ich bin selig immermeh.
Er küßte mich wohl tausendstund,
Tandaradai!
Seht, wie roth mir ist der Mund!
Da hatt' er gemachet, _ also reiche,
Von Blumen eine Bettestatt.
Des wird noch gelachet, _ innigliche,
Kommt Jemand an denselben Pfad;
Bei den Rosen er wohl mag --
Tandaradai!
Merken, wo das Haupt mir lag.