beidenthalben mein, zu meinen beiden Seiten. wunder, wunderviel.
Es ist wahrscheinlich, daß Walther einmal von Kärnthen aus gegen Wien angedrungen. In Kärnthen war Bernhard, aus dem Geschlechte der Grafen von Lavantthal, von 1202 bis 1256 am Herzogthum[41]. In ihm finden wir den Kärnthner unsres Dichters, den fürstlichen Freund des Gesanges, auf welchen auch im Titurel angespielt wird[42]. Der Aufenthalt am Hofe dieses Fürsten wurde Walthern, wie es scheint, durch Hofränke und Kunstneid verleidet. Er hat des Kärnthners Gabe oft empfangen, aber einmal geschah es, daß ihm die Kleider nicht gegeben wurden, die ihm der Fürst bestimmt hatte. Daraus entstanden Mißverständnisse, deren Erzählung der Dichter mit den Worten schließt:
Dieser Zorn ist ohn' alle Schulde, weiß Gott, unser beider.
(I 132a)
Ein andermal beklagt er sich, daß man am Hofe seinen Sang verkehre[43]. Er eifert gegen solche Schälke, zeigt sich zum weitern Gefechte gerüstet, bittet jedoch den Fürsten, selbst die Sache zu untersuchen:
Frage, was ich habe gesungen, und erfahr' uns,
wer's verkehre! (Ebd.)
Die Gegner scheinen aber gesiegt zu haben und hieher kann es bezogen werden, wenn der Dichter sich jetzt an den Herzog von Oesterreich wendet:
In nomine domini! ich will beginnen, sprechet Amen!
das ist gut für Ungelücke und für des Teufels Samen.
Daß ich nun singen müsse in dieser Weise also,
Wer höfischen Sang und Freude störe, daß der werde unfroh!
Ich habe wohl und hofelich daher gesungen,
Mit der Höfischheit bin ich nun verdrungen,
Daß die Unhöfischen nun zu Hofe werther sind, denn ich.
Das mich ehren sollte, das unehret mich.
Herzog aus Oesterreiche, Fürste, nun sprich!
Du wendest es alleine, sonst verkehre ich meine Zungen.
(I 131b)
verkehre ich &c. d. h. singe auch ich unhofelich.
In einem ähnlichen Liede droht er, sich jetzt auch des scharfen Sanges befleißen zu wollen:
Da ich stets mit Furchten bat, da will ich nun gebieten,
Ich sehe wohl, daß man Herrengut und Weibesgruß
Gewaltiglich und ungezogenlich erwerben muß.