Er beschwert sich weiter, wenn er seinen höfischen Sang singe, so klagen sie es Stollen, vermuthlich einem von den unhöfischen Verkehrern seines Gesangs. Der Schluß des Liedes geht wieder auf den Herzog Leopold:
Zu Oesterreiche lernte ich singen und sagen,
Da will ich mich allererst beklagen.
Finde ich an Lüpold höfischen Trost, so ist mir
mein Muth entschwollen.
(I 131b f.)
Mehrere Lieder zeigen uns nun den Dichter wirklich an dem ersehnten Hofe zu Wien. Einige derselben gestatten eine ungefähre Zeitbestimmung, namentlich beziehen sich zwei davon auf den Kreuzzug des Herzogs.
Leopold VII. ließ sich schon 1208 mit mehreren Edeln des Landes zu Neuenburg mit dem Kreuze zeichnen. Im Jahr 1213 begab er sich mit großem Gefolge nach Spanien, um die Mauren zu bekriegen. Sodann im Jahr 1217 fuhr er mit dem Könige von Ungarn und vielen Andern nach dem heiligen Lande. Dort betrieb er die Belagerung von Damiata, kehrte aber, bevor noch diese Stadt eingenommen war, im Jahr 1219 nach Oesterreich zurück[44]. Walther feiert des Herzogs glückliche Heimkehr. Ihr seyd wohl werth, sagt er, daß wir die Glocken gegen euch läuten, dringen und schauen, als ob ein Wunder kommen sey; ihr kommet uns sünden- und schandenfrei, drum sollen wir Männer euch loben und die Frauen sollen euch kosen. Im Uebrigen geht das Lied darauf hinaus, daß der ehrenvolle Empfang den Herzog für den Vorwurf entschädigen solle, als hätte es seiner Ehre angestanden, noch länger über Meer zu bleiben (I 135).
Nach der Rückkehr des Herzogs ist ein Lied gedichtet, worin die Kargheit des österreichischen Adels gerügt wird. Als Leopold spart' auf die Gottesfahrt, da sparten sie alle, als wagten sie nicht zu geben. Das war billig, daß sie ihn an Milde nicht überhöhen wollten; man soll immer nach dem Hofe leben. Die Helden aus Oesterreich hatten stets gehofeten Muth. Sie behielten ihm zu Ehren, das war gut. Nun gebet ihm zu Ehren, wie er nun thut, und lebet nach dem Hofe, so ist eure Zucht unbescholten! (I 132b)
In einem andern Gedichte lehnt Walther es ab, den Herzog nach dem Walde zu begleiten. Zu Felde folgt er ihm gern, zu Walde nicht. Zu Walde will ihn der Herzog, Walther hat stets bei Leuten gelebt. Selig sey der Wald und die Heide, da möge Leopold mit Freuden leben! Zieh' er dahin, Walthern lass' er bei Leuten, so haben sie Wonne beide (I 132b).
Aeusserst wohl ergeht es dem Dichter um diese Zeit. Er benennt dreier Fürsten Höfe, so lange er diese weiß, braucht er nicht um Herberge fern zu streichen, sein Wein ist gelesen und seine Pfanne sauset. Die drei Fürsten sind: der biderbe Patriarch; zuhand dabei Leopold, der Fürst zu Steier und Oesterreich, dem Niemand lebender zu vergleichen; der dritte: des vorigen Vetter, der wie der milde Welf gemuth ist, des Lob nach dem Tode besteht (I 133b).
Den Herzog Leopold kennen wir. Sein Vetter ist wohl niemand anders, als seines Vaters einziger Bruder, Heinrich, der bis in das Jahr 1223 lebte[45]. Der biderbe Patriarch aber ist uns der Patriarch von Aquileja, Berthold, aus dem Geschlechte der Grafen von Andechs, der von 1218 an diese geistliche Würde bekleidete und erst 1251 starb[46].
Ein Blick in das Leben eines andern Dichters kann diese Verhältnisse erläutern. Ulrich von Lichtenstein, aus dem steirischen Geschlechte, das jetzt gefürstet ist, einer der liederreichsten Minnesänger, hat bekanntlich selbst sein ritterliches Leben in dem Buche: Frauendienst[47] beschrieben. Dieses Buch, dem geschichtliche Grundlage nicht abzusprechen ist, giebt die merkwürdigsten Aufschlüsse über die Sitten damaliger Zeit, über Minnedienst und Minnesang, besonders über das Leben und Treiben der Fürsten und des Adels in Oesterreich, Steiermark, Kärnthen und Istrien. Eben diese Gegenden, wo wir Walthern zuletzt getroffen, hat Ulrich von Lichtenstein, bald als Königin Venus, bald als der aus dem Paradies zurückgekommene König Artus verkleidet, auf Ritterfahrt durchzogen. Eben die Fürsten, an deren Hofe Walther gesungen, hat auch Ulrich gekannt und mit einigen derselben sich im Ritterspiele getummelt. Ulrich ist jünger, als Walther, und keiner gedenkt ausdrücklich des andern, aber sie sind Zeitgenossen und gerade in dem Zeitabschnitte, bei dem wir jetzt verweilen, begegnen sich ihre Bahnen; auch möchte sich aus Ulrichs Liedern nachweisen lassen, daß Walthers Gedichte auf ihn eingewirkt haben.
Den Herzog Leopold, Walthers Beschützer, finden wir im Buche Ulrichs von Lichtenstein[48], wenn dieser (Cap. II) erzählt: