Ihr Bischöf' und ihr edlen Pfaffen! ihr seyd verleitet
(viell. verkehret).
Seht! wie euch der Pabest mit des Teufels Stricken sehret.
Sagt ihr uns, daß er Sankte Peters Schlüssel habe,
So sagt, warum er dessen Lehre von den Büchern schabe?
Daß man Gottes Gabe je kaufe oder verkaufe,
Das ward uns verboten bei der Taufe.
Nun lehret's ihn sein schwarzes Buch, das ihm der Hölle Mohr
Gegeben hat, und aus ihm lesen sie nun vor.
Ihr Kardinäl'! ihr decket euren Chor,
Unser Frohnaltar steht unter einer übeln Traufe.
(I 133b)

sehret, versehret, beschädigt. der Hölle Mohr, der Teufel (Vgl. I 181b).

Die Schlußzeilen des vorstehenden Gedichtes schildern die Bereicherung Roms im Gegensatze zu dem Zerfall der deutschen Kirche. Auch der gleichzeitige Geschichtschreiber, selbst ein Geistlicher, erhebt laute Klage über die Habsucht des römischen Hofes und die dadurch eingerissenen Mißbräuche.

»Kaum blieb noch -- sagen die urspergischen Jahrbücher -- irgend ein Bisthum, oder eine kirchliche Würde, oder auch ein Pfarre übrig, die nicht streitig gemacht und dann die Sache nach Rom gebracht wurde, jedoch nicht mit leerer Hand. Freue dich, unsre Mutter Rom, daß die reichen Schatzquellen auf der Erde sich öffnen, damit Ströme Geldes zu dir hin sich ergießen im Ueberfluß! Frohlocke über die Ungerechtigkeit der Menschensöhne, weil bei Vergütung so großer Uebel das Sündengeld dir entrichtet wird! Ergötze dich deiner Gehülfin, der Zwietracht, daß sie aus den Brunnen des höllischen Abgrundes hervorbrach, damit dir die Gelder sich anhäufen! Du hast, wonach du immer gedürstet. Stimm' an ein Jubellied, daß du durch die Bosheit der Menschen und nicht durch deine Heiligkeit den Erdkreis überwunden hast! Zu dir zieht die Menschen nicht ihre Andacht oder ihr reines Gewissen, sondern die Verübung vielfacher Verbrechen und der Streithändel Entscheidung um Geld.«[76]

Wie das schlimme Beispiel der Geistlichkeit auch die Laien irre machen und verderben müsse, führt der Dichter weiter aus:

Welch Herze sich bei diesen Zeiten nicht verkehret,
Seit daß der Pabest selber dort den Ungelauben
mehret,
Dem wohnt ein sel'ger Geist und Gottes Minne bei.
Nun seht ihr, was der Pfaffen Werk und was ihr'
Lehre sey.
Ehdeß war ihre Lehre bei den Werken reine,
Nun sind sie aber anders so gemeine,
Daß wir sie unrecht wirken sehen, unrecht hören
sagen,
Die uns guter Lehre Vorbild sollten tragen;
Des mögen wir dumme Laien wohl verzagen.
Ich wähne wieder, mein guter Klausener klage sehr
und weine. (I 135b)

gemeine, allgemein. des, darüber.


Die Christenheit, sie lebte nie so gar nach Wahne,
Die sie da lehren sollten, die sind guter Sinne ohne.
Es wär' zuviel, und thät' ein dummer Laie das.
Sie sünden ohne Furcht, darum' ist ihnen Gott gehaß.
Sie weisen uns zum Himmel und fahren selbst zur Hölle.
Sie sprechen: wer ihr'n Worten folgen wölle,
Und nicht ihr'n Werken, der sey ohne allen Zweifel dort
genesen.
Die Pfaffen sollten keuscher, denn die Laien, wesen;
An welchen Büchern haben sie das erlesen,
Des sich so mancher fleisset, wo er ein schönes Weib
verfälle?
(W. Hds. S. 147)[77]

dort genesen, jenseits gerettet. wesen, seyn. erlesen, gelesen, erlernt. verfälle, zu Fall bringe.