Es kommt ein Wind, das wisset sicherliche,
Davon wir Beides hören: singen und sagen.
Der soll mit Grimm erfahr'n alle Königreiche,
Das höre ich Waller und Pilgerime klagen.
Bäume, Thürme liegen vor ihm zerschlagen,
Starken Leuten wehet er die Häupter abe.
Nun sollen wir fliehen hin zu Gottes Grabe!
(I 103b)

erfahr'n, befahren, durchfahren.

Ein seltsames Lied ist es, worin der Dichter den Engeln das Lob versagt, so lange sie nicht kräftiger gegen die Heidenschaft mitankämpfen (I 126a).

Hinwider läßt er einen Boten Gottes auftreten, an dessen Vogt, den Kaiser, gesendet, um Klage zu führen über die Heidenschaft, die im Lande seines Sohnes schmählich hause. Der Kaiser hat die Erde, Gott das Himmelreich. Jetzt soll der Kaiser dem Herrn Recht schaffen, Gott wird es gegenseitig thun, da wo er Vogt ist, und klagte der Kaiser auch über den Teufel in der Hölle (I 135b).

Ein andres Gesätz mahnt den Kaiser, Deutschlands innern Frieden zu befestigen und die ganze Christenheit zu sühnen; das verherrliche ihn und mühe die Heiden sehr. Er habe zwiefache Kaisersstärke: des Aares Tugend, des Leuen Kraft; die seyen darum Heerzeichen an dem Schilde[82]. Diese zween Heergesellen, wollten sie an die Heidenschaft, was widerstände ihrer Mannheit und ihrer Milde? (Ebd.)

Bei all diesem Eifer für die Sache des Kreuzes bleibt doch Walther seinem kaiserlichen Wohlthäter treu ergeben, auch nachdem dieser wegen der gescheiterten Unternehmung im Jahr 1227, von Gregor IX. mit dem furchtbaren Bannstrale gezeichnet ist. Den Kirchenfluch, der auch die Anhänger des Gebannten traf, weist der Dichter unerschrocken von sich ab, indem er dem Pabst entgegenhält, was dieser bei der Krönung des Kaisers den Völkern geboten:

Herr Pabest! ich mag wohl genesen,
Denn ich will euch gehorsam wesen;
Wir hörten euch der Christenheit gebieten,
Wie wir des Kaisers sollten pflegen,
Da ihr ihm gabet den Gottessegen:
Daß wir ihn Herren hiessen und vor ihm knieten.
Auch sollt ihr nicht vergessen,
Ihr sprachet: »wer dich segne, daß der gesegnet sey!
Wer dir fluche, der sey verfluchet
Mit Fluche vollgemessen!«
Durch Gott! bedenket euch dabei,
Ob ihr der Pfaffen Ehre irgend suchet?
(I 105a)

genesen, an meinem Seelenheil unbeschädigt bleiben. wesen, seyn. durch Gott! um Gottes willen.

Von neuem läßt Walther den alten Klausner klagen: daß man die Guten banne und den Uebeln singe (I 103a). Dem Kaiser aber räth er, unbekümmert um des Pabstes Irrung, dennoch abzufahren[83].

Die Willkühr, womit die Bannsprüche erlassen wurden, mußte allerdings ihre Wirkung schwächen. Reinmar von Zweter, der gleichfalls politische Gedichte auf Friedrich II. und Gregor IX. verfaßt hat, unterscheidet den Bann, der mit Gott und nach Gott sey, von demjenigen, worin fleischlicher Zorn stecke (II 143b) Der Freigedank behauptet, der Bann habe keine Kraft, der durch Feindschaft geschehe (V. 4117 f.); auch ereifert sich dieser Dichter sehr über die Schwierigkeiten, welche den Unternehmungen Friedrichs im heiligen Lande, besonders durch den päbstlichen Bann, in den Weg gelegt worden, und daß man den Kaiser selbst dann nicht vom Banne losgesprochen, nachdem er die heiligen Stätten den Christen wieder zugänglich gemacht[84].