[78] S. Anm. [73] und [77]. Es könnten aber noch weitere Nachweisungen über Ottokars Bekanntschaft mit Walthers Gedichten beigebracht werden. Die Ansichten des Erstern von Pabst und Klerus hat Schacht a. a. O. Abschn. XI bes. S. 276, 278-84, dargelegt.
[79] Godefrid. Colon. Annal. (ap. Freher. Germ. rer. Script. T. I) ad ann. 1225, 1226. Chron. Salisb. cit. ad ann. 1226.
[80] Es ist zu entscheiden, ob nicht beide Gedichte ironisch gemeint seyen. In beiden scheint die Schlußzeile diese Wendung zu nehmen. Diese ironische Weise ist überhaupt dem Dichter nicht fremd. Sie findet sich namentlich in seinen Gedichten auf Otto IV. Was ihn aber veranlaßt haben mochte, sie gegen den Erzbischof, von dem sonst Gutes gemeldet wird, und selbst auf dessen Ermordung anzuwenden, erhellt nicht. Der Abt von Ursperg setzt diese Begebenheit in Verbindung mit damals neu aufgekommenen, von einem Predigermönch aus Straßburg, Johannes, verkündigten Lehrsätzen, die, an sich nicht verwerflich, in der Anwendung durch Mißverstand verderblich geworden und zu den abscheulichsten Frevelthaten Anlaß gegeben. Hievon findet sich jedoch keine Meldung bei dem Mönche von Köln, der dem Ereigniß näher stand und nach dessen Jahrbüchern dasselbe oben erzählt wurde. Uebrigens scheint das Urtheil der Zeitgenossen nicht einhellig gewesen zu seyn. Nach dem Berichte eines andern Geschichtschreibers kam zu Nürnberg bei der Vermählung des Königs Heinrich mit der Tochter Leopolds von Oesterreich die Ermordung des Erzbischofs zur Klage und es erhob sich über diesen Fall Widerspruch zwischen dem Erzbischof von Trier und dem Grafen von Truhendingen. Man griff zu den Waffen und es kamen in diesem Auflauf gegen sechszig Menschen um. Excerpt. ex Catal. Rom Pontif. et Imp. (ap. Pez, T. II) ad ann. 1225. -- Sonst machen einige Schriftsteller den heiligen Engelbert zum Stifter der Fehmgerichte. Zu wirksamerer Verfolgung der Ketzer soll er diese Gerichte, nach dem Muster der damals aufgekommenen und bestätigten heiligen Inquisition, gestiftet haben. Der geschichtliche Beweis für diese Meinung wir aber vermißt. Berck, Geschichte der Westphäl. Fehmgerichte. Brem. 1815 S. 251
[81] Köpke a. a. O. glaubt, daß dieses Gedicht im Jahr 1234, also geraume Zeit nach dem Kreuzzuge Friedrichs II., abgefaßt sey. Er deutet nemlich die Untreue des Kindes gegen den Vater auf die Empörung des römischen Königs Heinrich wider seinen Vater, den Kaiser, und die Worte: »Der Bruder seinem Bruder lüget« auf die Feindschaft zwischen Heinrich und seinem jüngern Bruder Konrad. Diese besondre Beziehung ist mir nicht wahrscheinlich. In dem Lied eines späteren Dichters (Müll. Samml. II Bd. CCCCXLVIII) kömmt die ähnliche Stelle vor:
Menschenkind, denket daran! --
Es ist in der Welt wohl Schein, daß Endes Tag will
kommmen. -- Das Kind trauet nicht dem Vater sein
Noch Vater seinem Kinde nicht, das haben wir wohl
vernommen.
[82] Der Adler ist das Wappen des Reichs, der Löwe das Hohenstaufische. Dieser ist den altdeutschen Dichtern das Sinnbild des Muthes, der Kraft, jener der Milde, der Freigebigkeit. So bei Reinmar von Zweter, I 140b 146b. Vgl. Eneidt, V. 12416 f. Beide sind Herrscher im Thierreich. Dem Könige der Vögel ist es vermuthlich als Freigebigkeit ausgelegt worden, daß er, wie man beobachtet hat, zuweilen von seiner Beute nur das Beste verzehrt und, was ihm nicht gut genug ist, den geringern Vögeln überläßt.
[83] So kann die Strophe: »Bote, sage dem Kaiser &c.« (I 103a) eingereiht werden. Auch das Gedicht: »Ihr Fürsten, die des Königes &c.« (I 131a) betrifft die Kreuzfahrt. Dasselbe ist muthmaßlich schon um 1220 verfaßt, wo Friedrich, noch nicht als Kaiser gekrönt, aber längst mit dem Kreuze bezeichnet, Deutschland verließ.
Wo gefuhr eh' Kaiser über Meer
Im Bann und ohne Fürstenheer?
Und ist nun kommen in ein Land,
Da Gott noch Mann nie Treue fand.
(V. 4026 ff.) Was mag ein Kaiser schaffen,
Seit Christen, Heiden und Pfaffen
Streiten g'nug wider ihn?
Da verdürbe Salomons Sinn.
(V. 4046 ff.) Der Bann und manche Christen
Mit viel manchen Listen
Wollten sie es erwendet (hintertrieben) han.
Nun hat Gott sein Ehre gethan,
Daß Sünder sollen das Grab gesehen.
Das muß ihm ohn' ihren Dank geschehen.
Gott und der Kaiser haben erlost
Ein Grab, das ist aller Christen Trost.
Seit er das Beste hat gethan,
So soll man ihn ausser Banne lan.
Das wollen Römer leichte nicht;
Was ohn' ihren Urlaub Gut's beschicht,
Dem wollen sie keiner Stete jehen, (keine Dauer
zugestehen) Nun ist das ohn' ihren Dank (gegen ihren Willen)
geschehen. (V. 4068 ff.)
[85] So gesteht auch Friedrich von Husen: sein Leib wolle gerne fechten gegen die Heiden, aber seinem Herzen liege ein Weib nahe (Man. I 93b); und der von Johannsdorf bittet die Minne, ihn so lange frei zu lassen, bis er die reine Gottesfahrt vollendet habe, dann soll sie ihm wieder willkommen seyn (I 176b).