Der Mond neigte sich zum Untergange. Die Nacht bevölkerte sich mit Sternen. Ich konnte in der Tat den Pfad nicht mehr erkennen und bewunderte Ettore, der ruhig steuerte, als fahre er auf der besten Kunststraße.
„Ein Licht, ein Licht!“ riefen wir plötzlich wie aus einem Munde.
„Es muß das Feuer eines Lagers am Ufer des Flusses sein“, bemerkte der Fürst.
Wir faßten wieder Mut. Aber nach wenigen Augenblicken war das Licht verschwunden. Wir hatten uns aber den Punkt, an dem es zum Vorschein gekommen war, genau eingeprägt und durchspähten gierigen Auges jene Stelle der Finsternis. Als wir nach einigen Minuten dort anlangten, bemerkten wir einige Jurten und hielten. Eine Hundemeute umringte uns bellend. Es erschien ein Mann im Rahmen einer Tür, aus der Licht drang. Wir baten ihn um Wasser, und er bot uns alles, was er hatte, in einem Kochgefäß an. Das Wasser war warm, fettig und erdig. Wir fragten ihn, wo die Quelle sei, und er zeigte uns den Weg mit einer Gebärde der Hand, als wollte er sagen: „Ganz in der Nähe.“ Wir baten ihn, uns hinzuführen, er lehnte aber ab. Er fürchtete sich vor uns.
So fuhren wir bis zu einer Wiese, wo wir zu lagern beschlossen. Während Ettore das Zelt aufschlug, machten der Fürst und ich uns auf die Suche nach der ersehnten Quelle. Er trug den Eimer und ich den Spaten; den Eimer für das Wasser, den Spaten für die Hunde. Ich stellte die bewaffnete Macht dar; ein Schutz war nötig, weil die mongolischen Hunde von besonderer Wildheit sind. Der Mond war untergegangen, und die Erde schlummerte, während der bleiche Sternenschimmer alle Unebenheiten verwischte.
Nach vielem Umhersuchen gelang es uns, einen kleinen schlammigen, stark fauligen Wasserlauf zu entdecken. Trotz des Durstes, von dem wir gequält wurden, war es uns nicht möglich, einen einzigen Schluck davon zu trinken. Wir kehrten zum Zelte zurück und bereiteten Tee, den niederträchtigsten Tee, der sich denken läßt! Schweigend verzehrten wir einige Konserven, schlürften das nichtswürdige Getränk mit viel Zucker und krochen auf allen vieren unter das Zelt. Die Nacht war von göttlicher Stille.
Wir hatten die Vorsicht gehabt, nichts außerhalb des Zeltes liegenzulassen, und Ettore legte, treu der erhaltenen Anweisung, die Pistole in den Bereich seiner Hand. Auf dem Gras ausgestreckt, eingehüllt in die mollige Wärme unserer Pelze, fielen wir sofort in tiefen Schlaf.
Mitten in der Nacht wurden wir jäh aufgeschreckt durch die Stimme Ettores, welcher rief: „Wer da?“
Er hatte sich erhoben, und ich bemerkte, wie er nach der Mauserpistole tastete. Ich lauschte. Nach wenigen Augenblicken hörte ich draußen vor dem Zelte ein leises, kurzes, aber deutlich vernehmbares Geräusch im düsteren Schweigen der Nacht.
„Wer da?“ rief Ettore nochmals, jetzt in entschiedenerem Tone.