Niemand antwortete. Es strich ein Luftzug vorüber, und das Geräusch erneuerte sich. Es war ein rasches, leichtes, unbegreifliches Schlagen ganz in der Nähe.
Leise hoben wir einen Zipfel der Zeltleinwand empor und spähten hinaus.
„Zuerst wußte ich nicht, was es war!“ rief Ettore lachend. „Wer hätte auch geglaubt, daß sie solchen Lärm machen könnte! Ich bin davon munter geworden!“
Es war die Flagge — unsere auf dem Automobil gehißte Flagge, die bei jedem Windhauch flatterte und leise rauschte! Es schien, als lebe sie und halte Wache.
Nur wenige Kilometer vom Flusse entfernt hatten wir gelagert. Am Morgen des 24. Juni, in aller Frühe, überschritten wir ihn rasch in einer Furt. Das Gebirge hatten wir zu unserer Rechten gelassen und uns nach Westen dem Laufe des Orchon genähert, quer über eine Reihe sumpfiger Flächen hinweg. Wir waren jedoch gegen die Tücken des Geländes wohl auf der Hut und trieben das Automobil erst dann vorwärts, wenn der Boden vorher genau untersucht worden war.
Von allen Seiten umringten uns Gefahren; oft spürten wir unversehens unter unseren Füßen die wellenförmige Bewegung des verborgenen Sumpfes und fuhren mit einem Gefühl des Schauders rückwärts, als seien wir auf ein Reptil getreten.
„Zurück! Sofort zurück!“ riefen wir Ettore zu, der vorsichtig die Maschine dicht hinter uns lenkte.
Neue Übergänge wurden gesucht. Mitunter fanden wir keinen Ausweg und mußten weit zurückgehen, um an einer andern Stelle den Versuch zu erneuern. Nach und nach gelang es uns aber mit großer Geduld, aus dem sumpfigen Gelände herauszukommen und die kahlen, sandigen Hügel zu erreichen, die sich zwischen dem Orchon und dem Iro erstrecken.