Mongolische Reiter auf der Straße nach Kiachta.

„Sie haben keinen Begriff,“ sagte ein Zollbeamter zu mir, „was Kiachta vor sieben bis acht Jahren war! Sehen Sie diese breiten, öden Straßen? Sie reichten an manchen Tagen nicht aus, um das riesige Gewirr des Kommens und Gehens zu fassen. Es wurden täglich bis zu 50 000 Kisten Tee verladen. Jährlich kamen 25 000 000 Kilogramm Tee durch. Der große Umsatz begann im Oktober, und im November und Dezember war ganz Kiachta ein einziger großer Jahrmarkt und ein einziger Festplatz. Nicht einmal des Nachts begab man sich zur Ruhe. Oft schneite es, und die Leute freuten sich darüber, weil der Schnee die Straßen zu Schlittenbahnen umwandelte. Sinitzin und viele andere mieteten jeder im Sommer bis zu 500 Kamele, um die ersten zu sein, den neuen Tee auf die Messe nach Nischnij-Nowgorod zu schicken. Sehen Sie jene großen Gebäude aus Ziegeln, hinter der Kirche? Das waren die Lagerspeicher, der Gostinij Dwor. Hunderte von Arbeitern waren dort Tag und Nacht beschäftigt, die Ladungen aus der Mongolei zu öffnen, den beschädigten Tee auszusondern und die Kisten für die Reise durch Sibirien wieder zurechtzumachen, indem sie sie mit Kamelfellen bedeckten. Dort fanden die Versteigerungen statt, und Hunderttausende von Rubeln liefen um, als wären es Kopeken. Riesige Schlittenkarawanen gingen nach dem Baikalsee ab. Alle Höfe standen voll von Pferden. Am Abend fanden dann große Bälle und unaufhörliche Gastereien statt; in Troizkossawsk, der nächsten Stadt, befand sich ein Theater. Man trank, man lachte, man gab Geld aus, ohne zu rechnen. Jetzt, nachdem dieses Leben zweieinhalb Jahrhunderte gedauert hat, ist Kiachta eine tote Stadt.“

„Ist dieses Jahr wenig Tee durchgekommen?“

„Nichts.“

„Alles geht nach Wladiwostok?“

„Alles geht mit der Eisenbahn. Vor zwei Jahren trat während des Krieges ein Aufschwung ein, weil alle Eisenbahnlinien für die Truppen in Beschlag genommen waren. Aber jetzt ist es vorbei. Wie soll man mit der Eisenbahn den Kampf aufnehmen? Die Straßen sind ganz verödet, es benutzt sie niemand mehr. Sie werden es mit eigenen Augen sehen.“

Sibirische Muschiks.

„Aber die Verbindungen mit der transsibirischen Eisenbahn? Kiachta wird kein weltabgeschiedener Flecken bleiben!“