Am Abend des 24. Juni erfuhr ich auf dem Telegraphenamt in Maimatschen, daß der „Spyker“ an jenem Tage bis Urga gekommen sei. Am 25. teilte mir dasselbe Amt mit, daß die beiden „de Dion-Bouton“ und der „Spyker“ bei Tagesanbruch Urga verlassen hätten. Am Nachmittag begann es zu regnen.

„Aha, die Bogs des Kommissars!“ sagten wir lachend zueinander.

Und wir dachten an die berüchtigten Sümpfe, an Moräste, die uns drohen sollten; bald würde der Regen jeden Durchgang unmöglich gemacht haben. Regen ist vorteilhaft, weil der Sand durch ihn fest wird; zuviel aber verwandelt den Sand in Schlamm. Und das schlechte Wetter schien anzudauern. Es war so beharrlich, daß es uns 500 Kilometer weit begleitete! An diesem Tage fiel einer jener dichten, gleichmäßigen, verdrießlichen Regen, die den Gedanken an den Herbst wachrufen, wenn es auch noch so warm ist. Am Abend teilte man uns mit, daß einige Mongolen von der Höhe der Dünen auf der Straße von Urga Lichter erblickt hatten, und man nahm an, daß dies die übrigen Automobile sein müßten. Uns erschien die Vermutung widersinnig. Sie hatten Urga am Morgen verlassen und konnten abends noch nicht in Kiachta eintreffen. In der Tat haben sie, vom schlechten Wetter überrascht, drei Tage gebraucht, um jene Strecke zurückzulegen. Wir entschlossen uns indes, am nächsten Tage aufzubrechen. Frau Sinitzin war über die Kühnheit unseres Plans erschrocken.

„Sie Ärmste!“ wiederholte sie des öfteren, indem sie uns mit tiefem Mitleid betrachtete und dabei seufzte. „Bei diesem Regen und im offenen Wagen! Ich will Ihnen wenigstens etwas zur Stärkung mitgeben.“

Als wir uns am frühen Morgen erhoben, fanden wir die herzensgute Frau emsig beschäftigt, umgeben und unterstützt von den Dienstboten. Die Küche war in voller Tätigkeit.

„Die Flaschen Wein hierher!“ rief Frau Sinitzin über den Rand eines mächtigen Weidenkorbes gebeugt. Eine Magd kam, die Arme voller Flaschen, die in dem Korbe verschwanden. „Rasch die gebratenen Hühner!“ — sechs Hühner folgten den Flaschen. „Ist das Lamm gekocht? Bringt es her!“ — ein dampfendes Lammviertel nahm in dem Korbe Platz. Und dann kamen noch Orangen, frisches Brot, alles schön in Papier eingeschlagen und verpackt.

„Mein Gott!“ rief sie aus, als ihr der Inhalt vollständig schien — „ich habe ja das Bier und den Kognak vergessen!“ Und sofort wurden noch weitere Flaschen in die leergebliebenen Stellen versenkt.

„Für wen sind denn diese Dinge?“ fragte der Fürst besorgt.

„Für Sie, Knjäs Borghese!“