Wir fuhren durch den Triumphbogen, und als wir auf die Hauptstraße gelangt waren, machten wir uns sofort auf die Suche nach unserem Benzinvorrat.
Der Triumphbogen fehlt in keiner dieser sibirischen Städte, die an der uralten Straße nach dem Stillen Ozean liegen. Natürlich ist er wie die Häuser, die Kasernen und die Kirchen stets von Holz, wenn er auch mitunter dem Marmor oder sonstigem Gestein täuschend ähnlich sieht. All diese Bogen wurden bei Gelegenheit des Aufenthaltes des jetzigen Zaren (damals war er Thronfolger) auf seiner Rückreise von Wladiwostok, wo er die transsibirische Bahn eröffnet hatte, errichtet. Nikolaus II. ist vielleicht der einzige russische Kaiser, der sein ganzes Reich bereist hat. Dies Ereignis verdiente wohl, daß man durch Triumphbogen daran erinnerte, selbst wenn sie nur aus Holz waren.
Wir fanden nirgends eine Spur unseres Depots. Aber der größte Drogenhändler willigte darein, uns all sein Benzin zu verkaufen — etwa 50 Liter, die beinahe den gesamten Vorrat des Ortes und der umliegenden Landstriche darstellten. Dort draußen wird das Benzin viel verwendet, aber nur tropfenweise, weil es noch nicht über die erste Periode seiner sozialen Tätigkeit, die der Fleckenentfernung, hinausgekommen ist!
Werchne-Udinsk ist eine Soldatenstadt, das große militärische Zentrum Transbaikaliens. Hier sahen wir die neuen Felduniformen des russischen Heeres, deren Einführung nach Beendigung des japanischen Krieges beschlossen wurde, nachdem die Sichtbarkeit der bisherigen Uniformen die furchtbaren Menschenverluste verschuldet und in nicht geringem Maße zu den Niederlagen in der Mandschurei beigetragen hatte. Jetzt steht an allen Grenzen der Kosak in der Khakiuniform Wache: eine große Tradition geht unter. Am Abend ertönten Trompetensignale aus den weißen Kasernen der oberen Stadt; Patrouillen durchstreiften die Straßen mit geschultertem Gewehr; Säbel- und Sporenrasseln hallte von den hölzernen Fußsteigen wider; zahlreiche Schildwachen zogen vor den Toren der öffentlichen Gebäude und der Banken auf. Als ich zum Telegraphenamte kam, fand ich es militärisch besetzt; Soldaten an der Pforte, Soldaten mit Gewehr und aufgepflanztem Bajonett in dem kleinen, für das Publikum bestimmten Raum, in den Diensträumen, vor dem Geldschrank. Ich glaubte meine Depeschen im Vorzimmer eines Gefängnisses niederzuschreiben.
Wir wohnten in dem besten Gasthaus, einer alten, aus Holz erbauten Herberge mit gewaltigen Öfen und Betten ohne Leintücher, die einen muffigen Geruch ausströmten, als seien die Ausdünstungen aller derer, die hier gewohnt hatten, darin zurückgeblieben. Seit Hsin-wa-fu hatten wir nicht mehr in einem Gasthause geschlafen. Schlafen ist in der Tat ein übertriebener Ausdruck. Denn es hatte den Anschein, als sei ein Heer gewisser kleiner Tierchen völlig an das Insektenpulver gewöhnt; sie hatten die Giftfestigkeit des Mithridates erlangt. Das Automobil ruhte in dem kleinen Hofe aus, in einem dem Einsturz nahen Schuppen, umgeben von leeren Fässern, Wagen, Kisten und Hühnern.
Um 3 Uhr früh waren wir schon wieder auf den Beinen und tranken schweigend ein Glas Tee. Es war bereits hell. Wir befanden uns auf dem Höhepunkte der hellen Nächte.
Es regnete.