Auf der Strecke der sibirischen Eisenbahn in Begleitung des Gendarmen.
Der Gendarm erklärte: „Ich werde Sie begleiten, und Sie werden überall durchkommen.“
So erhielten wir den schlagendsten Beweis von der Allmacht des Gendarmen in Sibirien.
Um dem wackeren Krieger einen Platz im Automobil zu überlassen, kletterte ich auf das Gepäck im hinteren Teile der Karosserie, auf das ich mich rittlings setzte, allerdings ein wenig durch die Anwesenheit der langen Bretter behindert, aber befriedigt durch die erhöhte Stellung, die mich die Dinge um mich herum von einem ganz neuen Gesichtspunkt aus betrachten ließ. Der Gendarm saß auf dem Tritte.
Um die Weichen und Signalvorrichtungen, die in großer Anzahl in der Nähe der Station vorhanden sind, zu umgehen, suchten wir weiterhin in der Entfernung von einem Kilometer einen Übergang von der alten Straße nach der Eisenbahn. Der Eisenbahndamm war ein paar Meter hoch, der Übergang aber bestand in einer kleinen Treppe zum Gebrauch des nächsten Bahnwärters, die sich wenig zum Aufstieg eines Automobils eignete. Dies war aber keine Schwierigkeit, die irgendwelchen Eindruck auf uns gemacht hätte. Mit Hilfe alter Schwellen, die wir in geschickter Weise aneinanderlegten, und der beiden Bretter konstruierten wir eine Fahrbahn, die die Maschine im Fluge benutzen konnte.
Endlich befanden wir uns auf der Strecke. Mit den rechten Rädern ragte die Maschine über das Geleis hinaus; wir luden in Eile die Bretter wieder auf, befestigten sie gut und nahmen unsere Plätze ein. Ich saß von neuem oben auf dem Gepäck wie ein Araber auf dem Höcker eines Dromedars. Wir fuhren los.
Der erste Eindruck war entzückend. Diese herrliche gleichmäßige, ebene, glänzende Straße war nach all den Abhängen, dem Gestrüpp, den Gebüschen, den Gräben der vormaligen Heerstraße von verführerischem Reiz. Geradlinig und über die umliegende Landschaft erhöht, machte sie den Eindruck einer Schwebebahn, einer riesigen Hängebrücke. All das war neu und gefiel uns vielleicht nur darum so gut. Wir fuhren langsam; wenn die Schwellen auch sehr nahe aneinanderlagen und mit einer Sandschicht bedeckt waren, teilten sie doch dem Automobil eine Schaukelbewegung, eine Art leichten Galopps mit. Als aber die Geschwindigkeit zunahm, wurde der Galopp heftig und ging schließlich in ein fürchterliches wildes Schütteln über, das die Maschine in Stücke zu reißen drohte. Wir begnügten uns daher mit einem ganz leichten Galopp, mit der Geschwindigkeit von 15 Kilometern in der Stunde. So gelangten wir zu dem ersten Bahnwärterhäuschen.
Der Wärter war natürlich ebensowenig wie der Stationsvorsteher über unsere Fahrt unterrichtet worden, die unter dem hohen und ausschließlichen Schutze der Polizei vor sich ging. Der Ärmste begriff nichts von dieser seltsamen Lokomotive, die ruhig neben den Schienen fuhr, er betrachtete sie voller Entsetzen und hielt sie schließlich gewiß für ein neuerfundenes Gefährt, das seine Probefahrt machte. Er stürzte in sein Häuschen, kam sofort wieder mit dem Stabe heraus, der „freie Fahrt“ bedeutet, und nahm die vorschriftsmäßige Stellung ein. Der Gendarm befahl zu halten, stieg ab, näherte sich dem Manne und ließ sich die rote Fahne reichen, die dieser zusammengerollt an seinem Gürtel trug. Dann schwenkte er dieses revolutionäre Abzeichen, kehrte äußerst befriedigt auf das Automobil zurück und rief:
„Um den Zügen das Haltesignal zu geben!“