Sie war gegen 20 Meter lang und über 3 Meter breit. Sie reichte nicht an die Breite der übrigen Brücken heran und unterschied sich anscheinend von ihnen durch die Zusammensetzung der Bretter, durch eine gewisse Rohheit der Ausführung. Die Straßenbrücken bewahrten in der Regel, auch wenn sie vermorscht, gesprungen und halb verfallen waren, die Spuren einer großen Gewissenhaftigkeit der Arbeit, sie hatten etwas von einem alten Schiffe an sich. Man sah sofort, daß jene Brücke aus dem Holze einer andern eingestürzten erbaut war. Es fehlte jede Spur eines Geländers; sie war etwas krummgezogen und wies die Unregelmäßigkeiten und Unachtsamkeiten eines Provisoriums auf. Aber wir waren schon über viele provisorische Brücken gefahren, die nicht besser ausgesehen hatten. Sie überbrückte einen kleinen, drei bis vier Meter tiefen Fluß, dessen Ufer so dicht mit Gebüsch und Strauchwerk bewachsen waren, daß es schien, als wollten die Pflanzen ihre Zweige vereinigen.

Ettore mäßigte die Geschwindigkeit und hielt einige Augenblicke still, um zu prüfen. Vor jedem Hindernisse machten wir zum Zwecke der Beobachtung kurzen Halt, nahmen es in Augenschein, ohne das Automobil zu verlassen, sahen rasch den Übergang an und entschlossen uns sofort. Wir hatten Auge und Geist an tausend Problemen der Straße geübt, die untereinander so ähnlich und doch so verschieden waren. Sie wurden sofort nach der Analogie mit andern beurteilt. Mit sicherem Gefühle wandten wir die aus der Praxis gewonnenen Methoden an, wußten, wo rasches Handeln und wo Vorsicht nottat, erkannten instinktiv die Stellen, auf denen die Räder hinüberkommen konnten, errieten den widerstandsfähigsten Teil eines Brettes wie die Tiefe eines Gewässers oder die Tragfähigkeit eines sumpfigen Bodens. Hier gab es einen Augenblick des Zögerns, eine flüchtige Vorahnung der Gefahr. Aber es war nur ein Augenblick. Nicht jedes Bedenken war vollständig zerstreut, aber wir hatten, wenn wir auf Schwierigkeiten stießen, eine einfache Art, uns damit abzufinden; wir sagten nur: „Versuchen wir es!“

Der Gendarm war abgesprungen. Er hatte nicht unsere Erfahrung in bezug auf alte Brücken und urteilte nur nach seinem unbefangenen gesunden Menschenverstande. Er hielt es für notwendig, sich die Sache aus der Nähe zu besehen, in den Fluß hineinzuwaten und die Balken zu untersuchen.

„Warten Sie! Warten Sie!“

Er schickte sich zur Besichtigung an.

Der Fürst befahl Ettore:

„Fahre zu, aber langsam!“

Das Automobil fuhr auf den Bretterboden, der erzitterte, ein wenig knirschte und schwankte, wie es so viele andere unter dem Gewicht der Maschine getan hatten.