Er öffnete das Motorgehäuse, schraubte die Verschlüsse der Zylinder ab und trocknete diese mit einem Tuche, dann trocknete er die „Hämmerchen“, damit das Öl durch seine isolierende Wirkung nicht den elektrischen Strom unterbreche, brachte alles wieder an Ort und Stelle, zog die Schrauben an und drehte an der Kurbel. Bei der zweiten Drehung begann der Motor zu arbeiten. Sein gewohntes Getöse erscholl plötzlich, laut, triumphierend und ließ das ganze Automobil wie vor übermächtiger Ungeduld schnaufen. Es war die Antwort auf die stumme Frage, die jeden Gedanken von uns beherrscht hatte. Das Automobil hatte gesprochen. „Hurra!“ riefen die Sibirier und schwenkten ihre Mützen.
Die Vorbereitungen zur Abfahrt nahmen noch viel Zeit in Anspruch. Ettore brauchte zwei volle Stunden, um die Maschine wieder in Ordnung zu bringen. Er wollte alles auf das genaueste nachsehen. Währenddessen bot der Stationsvorsteher dem Fürsten und mir Gastfreundschaft in seinem Hause an, wohin er mich Schritt für Schritt geleitete, indem er mich dabei brüderlich stützte, weil die vertrackten Beine mir den Dienst versagten. Er setzte uns Tee, Milch, dampfenden Schtschi, die inhaltsreiche Nationalsuppe, vor und bot uns Betten an. Um 2 Uhr war das Automobil reisefertig.
Das Vorderteil des Automobils wird an Bäume gebunden.
Freimachung von den Brückenresten.
Der Einsturz der Brücke am Baikalsee.
Wir warteten noch die Vorüberfahrt einer Lokomotive ab, die telegraphisch von Myssowaja gemeldet worden war. Die Lokomotive flog wie der Blitz vorüber. Wir kehrten auf die Strecke zurück. Der Stationsvorsteher wollte uns begleiten, und wir ließen den Gendarmen zurück, der nicht abgeneigt schien, dem Automobilsport zu entsagen, nachdem er dessen Gefahren aus der Nähe kennen gelernt hatte. Der Stationsvorsteher setzte sich auf den Tritt, der Fürst nahm auf der Rücklehne der Sitze Platz, Ettore steuerte, ich wurde auf den Sitz neben ihm verladen und zwei der stärksten Arbeiter standen hinten auf den Vorsprüngen der Federn und hielten sich mit den Händen an den Seilen des Gepäcks fest wie zwei Lakaien an den Riemen einer Staatskutsche. Es befanden sich also sechs Personen und ein Gepäckballen auf dem Rücken der Maschine, die dies aber nicht allzusehr zu empfinden schien. Wie am Vormittage fuhren wir die Geleise entlang. Der Stationsvorsteher sah jeden Augenblick nach der Uhr; er erwartete zwei Züge, einen von Tanchoi, den andern von Myssowaja. Bei einem Straßenübergang verließen wir auf sein Geheiß die Strecke und fuhren auf der Heerstraße weiter. Vielleicht wollte er uns beweisen, daß er bei dem Rate, den er uns am Vormittage gegeben hatte, in gutem Glauben gehandelt habe. An den Brücken stiegen die Arbeiter ab und liefen voran, um sie zu besichtigen. Wenn ihr Urteil zweifelhaft war, rief der Stationsvorsteher:
„Vorwärts! Mit der allergrößten Geschwindigkeit!“
Mit voller Kraft schossen wir dahin. Für die ebenen Brücken, die in der Mitte nicht anstiegen, war der Rat vortrefflich. In zwei, drei Sekunden befanden wir uns auf der andern Seite, und die Widerstandskraft eines Brettes oder eines Balkens steht im umgekehrten Verhältnis zur Zeit der Belastung. Jeder Teil der Brücke hatte nur einen beinahe unmeßbaren Augenblick zu halten und hatte keine Zeit zu brechen. Bei jeder genommenen Brücke äußerte unser Lotse geräuschvoll seine Genugtuung, klatschte in die Hände und rief begeisterte Kommandoworte wie ein Offizier auf dem Schlachtfelde: