Die Kälte und der Regen vertrieben uns vom Verdeck. Der Kapitän, ein riesiger Russe aus den baltischen Provinzen, lud uns ein, den Tee in seinem Salon einzunehmen. Wir waren die einzigen Reisenden an Bord. Die Überfahrt dauerte nur zwei Stunden. Um 5 Uhr befanden wir uns auf dem linken Ufer der Angara, nachdem wir wieder an einer Werft in der Nähe einer Eisenbahnstation gelandet waren: wir waren in Baikal.
Die Straße nach Irkutsk zieht sich auf dem rechten Ufer des Flusses hin; den Verkehr von einem Ufer zum andern vermitteln große, von Dampfern geschleppte Lastschiffe.
Nachdem unser Automobil aus dem Trajektboot ausgeschifft war, überschritt es mit eigener Kraft die Schienen der Station, fuhr zwischen Holz- und Kohlenlagern hindurch und ging endlich mit einem geschickten Manöver an Bord einer gerade abgehenden Fähre, wo es haltmachte, während eine neugierige Menge von Soldaten, Lastträgern, Muschiks und Vagabunden ihm folgte.
Es befanden sich zwei seltsame Männer unter diesen Leuten, von denen wir nicht erraten konnten, was sie waren: Bettler mit dem Aussehen gebildeter Männer. Einer von ihnen gab uns in höflichem Tone Auskunft über die Straße:
„Bis nach Krasnojarsk nicht übel, stellenweise ausgezeichnet, ebenso von dort nach Nischne-Udinsk. In der Nähe vom Tomsk schlecht. Weiterhin gut. Von Omsk bis zum Ural beinahe durchgängig vortreffliche Steppe.“
„Wie kommt es, daß Sie den Weg so genau kennen?“ fragten wir ihn.
„Ich kenne ihn Schritt für Schritt, den Moskowskij Trakt“, rief er lachend. „Schritt für Schritt. Ich habe ihn in seiner ganzen Ausdehnung zu Fuß zurückgelegt!“
Die Menge brach in ein lustiges Gelächter aus. Jemand rief: „Auch ich!“
„Um hierher zu gelangen?“ fragten wir.