Seit einigen Tagen wiederholte sich dieselbe ärgerliche meteorologische Erscheinung: in der Nacht klarte der Himmel vollständig auf; wir fuhren am schönsten Morgen ab; bei Sonnenaufgang zeigte sich im Westen etwas Nebel; dieser stieg weiter empor, wurde zur Wolke, umzog und bedeckte den ganzen Himmel — und es begann zu regnen. Dieser Wechsel vollzog sich in einer halben Stunde. Es war, als ob sich der Westen zu unserem Empfange rüstete. Ettore, der beim Morgengrauen stets auf das festeste davon überzeugt war, daß wir „einen herrlichen Tag“ haben würden, konnte sich gar nicht zufrieden geben: er rief jeden Augenblick, nach Westen deutend: „Wo ist denn diese unerschöpfliche Wolkenquelle? Wird sie denn nie ein Ende nehmen?“, und schloss betrübt mit den Worten: „Was für ein Land!“

Die Straßen waren ziemlich belebt von Telegas, so daß wir auf die Launen der Pferde gut achtgeben mußten, um kein Unglück zu verursachen. Die Verwunderung wirkte lähmend auf die Kutscher.

Einbooten des Automobils.

Es ereigneten sich Auftritte von überwältigender Komik. Ein an eine Telega gespanntes Pferd, erschreckt durch das Nahen des Automobils, das jedoch im Schritt fuhr wie stets, wenn wir Pferden begegneten, bäumte sich in die Höhe, warf die Telega um, schleuderte die Ladung und den Muschik, der das Gefährt lenkte, heraus und ging durch. Der wackere Mann, der sich so unfreiwillig auf die Erde gesetzt fand, fuhr fort, uns mit demselben Lächeln zu betrachten, mit dem er uns vor seinem Sturz angesehen hatte, ohne an seinen Wagen und sein Pferd zu denken, als ob er in Gedanken versunken wäre und wie verhext überhaupt nichts von der plötzlichen Veränderung seines Sitzes wahrgenommen hätte! Als wir näherkamen, grüßte er uns:

„Guten Tag! Woher kommen Sie?“

„Von Peking.“

Er faltete die Hände und betrachtete uns offenen Mundes. Ein Bauer zu Pferde brach bei unserem Anblick in Gelächter aus; unversehens machte sein Reittier erschreckt einen Seitensprung und schleuderte ihn aus dem Sattel; er erhob sich, immerfort lachend, und sagte in ganz zufriedenem Tone:

„Haha! Besser ein Wagen ohne Pferd als ein Pferd ohne Wagen! Hahaha!“

Wir müssen zugeben, daß trotz all unserer Vorsicht die Zahl der umgestürzten Telegas außerordentlich groß war. Die Pferde scheuten, auch wenn das Automobil stillstand; sie erblickten in ihm wer weiß was für ein reißendes Tier. Und die Telegas, Wagen, schmal, um überall durchzukommen, hoch, um Furten passieren zu können, und leicht, um im Moraste nicht steckenzubleiben, haben alle erforderlichen Eigenschaften, um mit der größten Leichtigkeit umzustürzen. Die meisten Bauernpferde in Sibirien tragen kein Gebiß, sondern nur einen dünnen Zaum. Zu alledem kam die Verblüffung der Leute. Sie beschäftigten sich nur mit dem Gedanken, was zum Teufel denn dieses große graue Ungeheuer sei, das da auf der Straße hin und her schwankte und stolperte. Sie hörten auf nichts, weder auf Warnungen noch auf Ratschläge, und sehr oft mußten wir halten, absteigen, die Pferde am Zaume fassen und zur Seite führen.