In den Dörfern, wo die Herden mit ihren Tritten den Boden uneben machten, ist der Morast tief und weich. Die Räder versinken darin bis an die Naben, und der Schmutz spritzt um die Speichen herum. Auf weite Strecken hin trafen wir die sogenannte „schwarze Erde“ an, die sicher die fruchtbarste der Welt ist, aber auch die dem Automobilsport feindlichste. Die schwarze Erde wird von der tausendjährigen Verwitterung von Pflanzen gebildet; sie ist eine Art Moor, ein früherer Sumpf, der bei Regenwetter wieder zum Sumpfe wird. Sie ist mit organischen Bestandteilen gesättigt, seifenartig und leicht; wenn sie durchnäßt ist, gibt es nichts Schwierigeres, als im Gleichgewicht über sie hinwegzukommen. Das Automobil blieb stecken und zeigte einen bedauernswerten Ungehorsam gegen das Steuerrad: es drehte sich im Kreise herum, warf sich zur Seite, und oft hatten wir Mühe, es dicht am Rande tiefer Gräben zum Stehen zu bringen.
Eine Panne in der Taiga.
Wir waren noch nicht allzu weit von Kansk entfernt, als wir an eine kleine, mit schwarzer Erde bedeckte Anhöhe gerieten. Länger als eine Stunde mühten wir uns ab, darüber hinwegzukommen, indem wir alle Mittel versuchten, die die Praxis uns gelehrt hatte. Es war unmöglich. Müde und erbittert beschlossen wir umzukehren. Einige Werst entfernt befand sich ein Straßenübergang in gleicher Höhe mit dem Eisenbahndamm und dabei ein Bahnwärterhäuschen. Wir suchten Unterkunft bei dem Bahnwärter und ließen die Maschine auf der Straße stehen; es blieb uns nichts anderes übrig. Wir mußten warten, bis der Regen nachließ und die Straße trocken wurde.
Die Frau des Bahnwärters zündete den Samowar an, wir breiteten die Pelze und die wasserdichten Kleider rings um den warmen Ofen und setzten uns in das kleine Zimmer, finster und schweigsam wie Verurteilte. Seit unserer Ankunft in Sibirien hatten wir nur einen Tag gutes Wetter gehabt, und gerade an jenem Tage war eine Brücke mit uns eingestürzt. Hatte es nicht den Anschein, als verfolge uns ein tückischer Feind? Jeden Augenblick sahen wir zum Fenster hinaus. Es regnete immerzu. Der Himmel war dunkel und hing schwer herab. Es handelte sich nicht um Stunden, es handelte sich um Tage, vielleicht um Wochen.
Die Mittagszeit nahte heran. Der Bahnwärter zog seinen Mantel an, setzte die Mütze auf, nahm den Signalstab von der Wand und ging hinaus. Seine Frau eilte, die Schranken des Straßenüberganges zu schließen, und bald darauf donnerte ein langer Zug vorüber, der die Fensterscheiben erklirren und das Häuschen erzittern ließ. Er kam von Kansk. Der Wärter kehrte zurück, legte Mantel und Mütze ab, stopfte sich eine Pfeife und sagte zu uns:
„Das Wetter ändert sich nicht.“
„Ist denn der Sommer immer so in Sibirien?“
„Die ältesten Leute können sich eines derartigen Sommers nicht entsinnen. Seit zwei Monaten regnet es beinahe unaufhörlich. Noch nie haben wir im Juli solche Kälte und so viel Regen gehabt. Die Feldarbeiten sind unmöglich. Im Gouvernement Jenisseisk ist die Ernte vielfach vernichtet. Wir werden in diesem Winter Hungersnot haben.“