Heute hatten wir den ersten Monat unserer Reise vollendet!
Früh 3 Uhr verließen wir Turuntajewa. Nach Zurücklegung von etwa 20 Kilometern gelangten wir in ein großes Dorf: Chaldejewa. Bevor wir es durchfuhren, wollten wir seinen Straßenschmutz kennen lernen und fanden ihn unpassierbar. Wir klopften an die Isba des Starosten und baten ihn, uns fünf starke Zugpferde zu beschaffen.
In diesem Augenblick kam ein von zwei Pferden gezogener Tarantaß an, und heraus stieg ein Polizeioffizier, der uns diensteifrig fragte, was vorgefallen sei.
„Nach Tomsk,“ erklärte er uns, „ist das Gerücht gedrungen, Sie seien angefallen worden. Der Gouverneur, Oberst Baron Nolcken, hat mir heute nacht den Befehl erteilt, unverzüglich aufzubrechen, um Sie zu suchen. Und so bin ich denn bis hierher gelangt, nachdem ich von Dorf zu Dorf gefahren bin. Ich freue mich, daß Sie gesund und wohlbehalten sind.“
Zwei Stunden später erblickten wir die goldfunkelnden Kuppeln von Tomsk, die sich von dem dunkeln Hintergrund der Wälder abhoben.
Der Chef der Polizei, umgeben von seinen Offizieren, erwartete uns am Eingange von Tomsk und begrüßte uns herzlich.
„Der Gouverneur erwartet Sie“, sagte er dann. „Er wünscht Sie sofort zu sprechen.“
„In diesem Aufzuge?“ fragten wir und deuteten auf unsere beschmutzten Kleider und unser staubiges Gesicht.
„So, gerade so! Er will Sie bewillkommnen. Ich geleite Sie zu ihm. Folgen Sie mir nur.“
Er stieg in eine glänzende Equipage, die von einem hünenhaften Kutscher in blauem Armiak gelenkt wurde. Die Fahrt war entsetzlich. Die Straßen der geistigen Hauptstadt Sibiriens gaben denen von Chaldejewa nichts nach, und wir waren mehrmals in Gefahr, schmählich Schiffbruch zu leiden. Aber trotz der Niederträchtigkeit seiner Straßen erschien uns Tomsk bewundernswert, elegant, großartig, vielleicht infolge des Kontrastes zur Taiga. Wir fuhren über Märkte, die gedrängt voll Menschen standen, genau wie in Irkutsk. Je weiter wir aber in das Innere der Stadt kamen, desto mehr verlor sie die charakteristischen Eigentümlichkeiten sibirischer Städte, sie verfeinerte sich; wir erblickten moderne Paläste, große Magazine, Speicher und dann ein prunkvolles Hotel, wo wir später Wohnung nahmen.