Wir hofften nicht mehr auf das Wiedererscheinen der Sonne. Nach dem 960 Kilometer entfernten Omsk zu gelangen, gleichviel wann, erschien uns als ein unerreichbarer Wunsch. Oberst von Nolcken hatte uns ein Verzeichnis der bedeutendsten Dörfer auf unserer Route, in denen wir haltmachen könnten, zusammenstellen lassen. Wir rechneten auf eine Tagesleistung von nicht mehr als 150 Kilometern. Wer hätte glauben können, daß die Sonne uns begleiten würde, anfangs schüchtern, bleich, zögernd und, kaum zum Vorschein gekommen, sich sofort wieder versteckend. Und daß diese Sonne immer kühner, wärmer werden würde, bis sie endlich mit sengender Glut auf uns niederbrannte, den Schmutz trocknete, die Straße hart machte und uns sichere Bahn für unsere Fahrt verschaffte? Nein, wir rechneten auf Regen!

Unser seltsamer Aufzug verließ die Stadt und hielt wenige Minuten später auf dem rechten Ufer des Tom, der, breit wie ein Meeresarm, im Nebel dahinströmte.

„Regardez ici, Messieurs!“ befahl uns eine gebieterische Stimme.

Es war ein Photograph von dem Aussehen eines Kavallerieoffiziers a. D., der, unterstützt von seiner Frau, einen riesigen photographischen Apparat aufgestellt hatte und uns nun seit wer weiß wieviel Uhr hier auflauerte. Wir sahen hin. Er wechselte seine Platte und befahl uns:

„Ne bougez pas!“

„Wir haben aber Eile!“

„Moi aussi!“

Wir setzten über den Tom auf dem sonderbarsten Fährboot der Welt. Es wurde von vier Pferden in Bewegung gesetzt, die auf dem Vorderteile des Bootes in einem Göpelwerk im Kreise herumtrabten und dadurch einfach gebaute, klappernde und träge Schaufelräder in Bewegung setzten.

Um 5 Uhr verließen wir das seltsame Pferdeschiff und fuhren längs des linken Ufers des Tom südwärts. Nach einer Fahrt von etwa 20 Kilometern in einer hügeligen Landschaft gelangten wir in einen prächtigen Wald von riesigen Tannen, dem letzten Ausläufer der dunkeln, überwältigenden, düsteren Taiga. Es drängte uns, sie zu verlassen.