Sibirische Muschiks.
Ohne Unfall hofften wir bis Omsk zu gelangen. Aber gegen Mittag befanden wir uns in einer unvorhergesehenen Gefahr, die die schlimmsten Folgen hätte nach sich ziehen können. Ganz plötzlich verspürten wir einen Brandgeruch, und als wir uns sofort umwandten, bemerkten wir, daß die Maschine eine dichte Rauchwolke hinter sich ließ. Der Rauch strömte unter dem Wagen hervor.
„Die Bremse!“ riefen wir; „die Bremse brennt!“
Wir hatten schon einen solchen Unfall erlebt und waren daher auch über seine Entstehungsursache keinen Augenblick im Zweifel. Wir brachten das Automobil zum Stehen und sprangen ab. Flammen loderten empor. Die Lage war diesmal sehr ernst. Die große Geschwindigkeit hatte uns infolge des Luftzuges daran verhindert, den Brand sofort zu bemerken. Das Feuer mußte viel eher ausgebrochen sein, ehe sich der Geruch bemerkbar machte. Die Flammen, die während der Fahrt infolge des Luftzuges und des gewaltigen Windstromes, den die rasende Umdrehung des Geschwindigkeitsgetriebes erzeugte, niedergehalten worden waren, schlugen jetzt flackernd in die Höhe. Die Ursache des Feuers lag wie das vorige Mal in der übermäßigen Reibung der Bremse, die sich von selbst anlegte infolge einer Beschädigung, die wir nicht erkennen konnten, ohne die Maschine auseinanderzunehmen. Diesmal hatte sich nicht nur das Schmierfett der Bremse entzündet, sondern es begann auch schon der hölzerne Fußboden der Karosserie zu brennen. Wir befürchteten die sofortige Explosion des Benzins, von dem wir in den Behältern gegen 200 Kilo mit uns führten!
Die geringste Beschädigung des Rohres, das das Benzin in den Motor leitet und das wenige Zentimeter von der Flamme entfernt war, hätte genügt, eine Katastrophe herbeizuführen.
„Wasser! Wasser! Rasch!“ riefen wir.
Früher hatten wir mit Leichtigkeit Wasser in der Nähe gefunden. Ich ergriff einen Topf und stürzte zu den Gräben, die sich zu beiden Seiten der Straße hinzogen. Sie waren trocken. Vergebens suchte ich wenigstens nach feuchtem Straßenschmutz im Grase. Der sandige Boden war wie ausgedörrt. Fünfzig Schritte vor uns befand sich eine kleine Brücke. Unter ihr würde ich doch sicherlich Wasser finden, wenigstens eine Lache. Atemlos lief ich hin. Nichts!
„Mut!“ riefen wir uns zu.
„Werfen wir Sand darauf!“
„Lappen! Wo sind die Lappen?“