Das Automobil bedurfte keiner Arbeit, abgesehen von der Beschädigung der Bremse, die sofort behoben wurde. Im übrigen wären bedeutendere Reparaturen auch unmöglich gewesen. Als der Fürst die Vorbereitungen zu der Fahrt traf, hatte er nach Omsk einige Ersatzstücke befördern lassen; aber die russische Zollbehörde — oder war es die österreichische? man weiß es nicht genau — hatte sie irgendwo zurückgehalten. Die Pneumatiks der Vorderräder, die die ganze Fahrt von Peking aus mitgemacht hatten, wurden ausgewechselt, die Maschine von oben bis unten geputzt und in ihren empfindlichsten Teilen auf das sorgfältigste nachgesehen. Ettore war von diesem Automobil begeistert, das sich trotz aller Anstrengungen und so vieler Katastrophen so wacker hielt. Hätte aber das Automobil denken und empfinden können, so wäre es gewiß in Ettore verliebt gewesen, der ihm alle seine Zuneigung weihte. Er trieb die Geduld und die Gewissenhaftigkeit so weit, daß er an jedem Haltepunkt eingehende und schwierige Untersuchungen anstellte, wie die Chauffeure sie sonst nur von Zeit zu Zeit vornehmen. Alle Abende schraubte er die Deckel los, die die Kugelgelenke der Gangwechsel und des Differenzialwerks hermetisch verschließen, um sich zu vergewissern, ob sie regelmäßig funktionierten, und um das Öl und Fett zu erneuern, in denen jene laufen. Die Karosserie, die der Weg von Tomsk aus den Fugen gebracht hatte, wurde mit Stahlblechen und Stahlschrauben ausgebessert.

Zuschauer beim Pneumatikwechsel.

In Omsk stellten wir die Reiseroute nach Kasan fest. Es führen zwei Wege dorthin: ein kurzer und ein langer. Natürlich war der kurze vom Pariser Komitee gewählt worden. Er führt von Omsk über Kurgan, Tscheljabinsk und Ufa und hält sich dicht an der Eisenbahn. Aber das russische Komitee in Petersburg hatte geraten, den längeren Weg einzuschlagen, weil er der bessere sei; es war der über Tjumen, Jekaterinburg und Perm nach Kasan; er biegt nach Norden um und steigt bis zum 58. Breitengrade empor. Dieser große Bogen von drei Grad lockte uns allerdings weniger als der gerade Weg, der bekanntlich der beste sein soll. Aber wir verließen uns auf die Weisheit des Petersburger Komitees, das uns prächtige, eigens für uns gezeichnete Straßenkarten hatte zukommen lassen. Auf ihnen war die Route mit allen Höhenprofilen und den in Werst angegebenen Entfernungen zwischen den einzelnen Dörfern dargestellt. Die Arbeit hatte ungeheuere Geduld erfordert und war uns von außerordentlichem Nutzen. Wir fühlten uns dem Komitee zu Petersburg, ebenso aber auch den kleineren Komitees in den andern Städten für ihre unendliche Liebenswürdigkeit zu herzlichem Dank verpflichtet.

Am 16. Juli waren die beiden „de Dion-Bouton“ in Mariinsk eingetroffen.


Am 17. früh 3 Uhr wurden wir von einem altmodischen winzigen Automobil, das einem Kinderwagen glich, einem seltenen Prachtstück des sibirischen Automobilsports, aus den Toren von Omsk geleitet. Es wurde von drei unserer neuesten Freunde, Mitgliedern des Omsker Komitees, bestiegen.

Die Stadt schlief noch. Der Om lag im blassen Schimmer der Morgenröte unbeweglich da; die dunkeln Schatten der Schiffe mit den hohen Schornsteinen drängten sich an den tagsüber so geschäftigen Ufern. Als wir auf die Straße nach Tjumen gekommen waren, wo keinerlei Irrtum mehr möglich war, bog das kleine Automobil zur Seite, und wir wechselten Abschiedsgrüße mit unseren Führern.

Der Himmel war heiter, man konnte von einem italienischen Himmel sprechen. Die Sonne erhob sich über dem flachen Horizont, und wir trieben die Maschine zur dritten und vierten Geschwindigkeit an. Vornübergebeugt durchschnitten wir die Luft, die die Kleider blähte und die Flagge am hinteren Teile des Automobils flattern ließ. Wir fühlten uns berauscht von der wiedergewonnenen Freiheit, und schließlich schlugen wir das rasende Tempo ein, das wir in den mongolischen Ebenen angenommen hatten.