Abfahrt von Omsk.

Fortwährend begegneten wir Karawanen von Telegas, deren Kutscher noch schliefen. Taub gegen unsere Signale, erwachten sie erst, wenn wir ihnen ganz nahegekommen waren; sie rieben sich die Augen, in der Meinung zu träumen, und waren wie alle sibirischen Kutscher so betäubt, daß sie nicht einmal daran dachten, ihre in wilder Flucht durchgehenden Pferde zu beruhigen.

Dörfer trafen wir nur vereinzelt an; es fehlt an Bauholz dazu.

Nach drei Stunden gelangten wir an das Ufer des Irtysch, auf dem rote Bojen schaukelten. Die Dampfer gehen bis nach Tobolsk. Am Ufer des Flusses begegneten wir einer Karawane von Bauern, die von Omsk zurückkehrten, wo sie amerikanische Mähmaschinen und Eggen gekauft hatten und nun warteten, um auf das andere Ufer übergesetzt zu werden. Es waren deutsche Einwanderer. Sie sollen mit ihrem neuen Vaterlande zufrieden sein. Ein großer Anteil an der Umwandlung Sibiriens entfällt auf Angehörige der deutschen Rasse.

Über den Irtysch setzten wir auf einer Fähre, die wieder von vier Pferden getrieben wurde. Die Werstpfähle glitten nur so an uns vorüber. Um 10 Uhr bemerkten wir am Horizont eine große Rauchsäule. Es war eine ungeheuere Wolke, an den Säumen, wo die Sonne sie beschien, weiß und im Innern schwarz wie eine Gewitterwolke. Sie wälzte sich dampfend nach Westen. Als wir näherkamen, sahen wir sie immer höher, dichter, ausgedehnter werden. Wir dachten, daß eine ungeheuere Feuersbrunst ein Dorf verheere, beobachteten die Richtung der Wolke und zogen die Karte zu Rate. Die Feuersbrunst befand sich auf unserem Wege. Vielleicht brannte Abatsk. Es lag gerade dort.

Mit ängstlicher Spannung beobachteten wir, ohne ein Wort zu sprechen, diese Wolke, die ins Riesenhafte wuchs, nach und nach den halben Himmel einnahm und von Zeit zu Zeit langsame Veränderungen zeigte, indem sie sich auf der einen Seite auflöste und auf der andern verdichtete. Dann gewahrten wir, daß es ein Steppenbrand war. Das ausgedörrte Gras und die Gebüsche lieferten dem Feuer unerschöpfliche Nahrung.

Abatsk fanden wir unversehrt. Vor jedem Hause standen aber mit Wasser gefüllte Gefäße und Gruppen von Menschen an den Brunnen. Das Dorf setzte sich in Verteidigungszustand. In geringer Entfernung waren Männer mit dem Auswerfen eines Grabens beschäftigt. Zahlreiche Telegas aus den benachbarten Ortschaften brachten Bauern, die mit Spaten, Hacken und andern Geräten bewaffnet waren.

Der Weg wurde wieder eintönig. Wir stießen auf Sandhügel, die uns an unsere Ankunft in Kiachta erinnerten, und nachmittags auf Birkengehölze. In der Nähe jener Gehölze lag Ischim, unser Haltepunkt, ein weißes, stilles Städtchen. Um 3 Uhr kamen wir an. Wir hatten 355 Kilometer zurückgelegt.

Ischim ist klein und liegt einsam in der Ebene, dem Anschein nach unbewohnt. Einmal im Jahre wird es zu einer großen Stadt. Viele seiner Häuser öffnen sich nur zu dieser Zeit. Es ist berühmt als Mittelpunkt einer großen, jährlich stattfindenden Messe, die, wie die Bewohner von Ischim behaupten, der von Nischnij-Nowgorod gleichkommt. Wir sahen die Stadt jedoch während ihrer langen Ruheperiode.