„Wo hast du das gelernt?“ fragte ihn Fürst Borghese.

„Ich habe es für mich studiert, zu Hause während des Winters“, erwiderte der Mann ernst.

Dies erinnerte mich an einen andern Lateinkundigen, den ich unterwegs antraf, einen chinesischen Wagenführer in der Nähe von Hsin-wa-fu. Es war ein christlicher Chinese im Dienste der Katholischen Mission der Provinz Schansi, der von Peking zurückkehrte und seinen Brüdern Lebensmittel mitbrachte. Aber diese Tatsache ist nichts Außergewöhnliches in China, wo Latein die Umgangssprache der Missionen ist und viele Bekehrte es so weit bringen, daß sie sich seiner mit bewundernswerter Gewandtheit bedienen. Wie es ein Pidgin-Englisch gibt, so gibt es in China auch ein Pidgin-Latein zum Ruhme des christlichen Glaubens.

Das Latein unseres Muschiks war etwas russifiziert, aber er bediente sich seiner hinreichend gut, um uns mitzuteilen, daß, wenn wir ermüdet seien, wir in das anstoßende Haus gehen möchten, wo wir ausruhen und Milch trinken könnten. Wir fanden hier nicht nur Milch, sondern auch herrliche Walderdbeeren, die die Frau des Meisters uns diensteifrig vorsetzte.

Um 4 Uhr waren die Speichen fertig. Nun begann der schwierigste Teil der Aufgabe: die Zusammensetzung. Sie kostete drei weitere Stunden angestrengter Arbeit. Mit langen glühenden Stäben wurden die Speichen durchbohrt; Rauchwolken stiegen zischend von den verbrannten Holzstellen auf. Schließlich wurden die Schrauben angebracht und die Platten befestigt: das Rad war fertig.

Die neuen Speichen entsprachen sicherlich nicht allen Regeln der Kunst; sie waren massig, dick und plump, verliehen aber dem Rade eine Festigkeit, daß es allen Stößen, allen Kraftanstrengungen zu widerstehen versprach.

Wir fuhren vom Hofe auf die Straße. Die Arbeiter folgten uns, während sie sich von uns verabschiedeten. Sie lachten vergnügt und trockneten sich die schweißtriefenden Stirnen. In dem Augenblicke, als wir davonjagen wollten, streckten sich uns schwielige Hände entgegen, die wir in freudiger Erregung voller Dankbarkeit drückten.

„Do svidania!“ riefen sie uns zu, während wir davonfuhren.