„Salve!“ rief der Lateiner.

Ihre Zurufe begleiteten uns lange Zeit. Noch aus weiter Ferne konnten wir unsere Retter sehen, wie sie die Mützen schwenkten, bis die Bäume uns ihren Blicken entzogen.

Wir wollten unseren Weg fortsetzen, solange es das Tageslicht gestattete. Die Straßen waren trocken geworden; wir fuhren 30 Kilometer in der Stunde. Eine Stunde nach unserer Abfahrt ging die Sonne unter. Wir sagten uns: „Im nächsten Dorfe machen wir halt.“ Aber der Wunsch, die verlorene Zeit einzuholen, war zu lebendig in uns, und im „nächsten Dorfe“ fuhren wir ohne Aufenthalt weiter zum „nächsten Dorfe“. In manchen Ortschaften bereiteten uns die sonntäglich gekleideten Bewohner einen fröhlichen Empfang, in andern betrachteten sie uns mit mißtrauischer und feindseliger Verwunderung. Der Grund für dieses verschiedene Verhalten lag am Telegraphen. Die Orte, die ein Telegraphenamt hatten, waren uns freundschaftlich gesinnt; sie wußten von uns, in manchen Ortschaften erwartete man uns sogar. Von Amt zu Amt teilten sich die Telegraphisten die Nachricht unserer Durchfahrt mit, die sich durch den ganzen Ort verbreitete, indem sie von Mund zu Mund lief. Überall konnten wir die Telegraphenbeamten am Fenster stehen sehen; sie waren die ersten, uns zu begrüßen.

Um 9 Uhr begann die Dämmerung der Nacht zu weichen. Wir beschlossen, im nächsten Dorfe über Nacht zu bleiben. Zwei junge Leute, die nebeneinander auf dem Fußsteige gingen, holten wir ein und hielten das Automobil an, um zu fragen, wo das „Semstwoskaja Dom“ sei. Aber wir hatten noch nicht den Mund geöffnet, als jene, nachdem sie uns einen Moment mit entsetzten Augen angestarrt hatten, das Zeichen des Kreuzes machten, die Beine in die Hand nahmen und die Flucht ergriffen, ohne ein Wort, ohne einen Schrei, auf den Zehenspitzen; sie liefen, als fürchteten sie, uns durch das Geräusch ihrer Schritte hinter sich herzuziehen. Augenscheinlich handelte es sich um ein Dorf ohne Telegraphenamt! Die Lage wurde ungemütlich; wir mußten unbedingt rasten, schon weil unsere Vorräte zu Ende gegangen waren und wir seit Perm außer den Erdbeeren der Frau des wackeren Wagenbauers nichts gegessen hatten.

Unser Publikum.

Endlich bemerkten wir auf der Schwelle eines Hauses mehrere Frauen. Wir hielten. Der Fürst wollte absteigen und mit ihnen unterhandeln.

„Um Gotteswillen!“ flüsterte ich ihm zu. „Mit Ihrem Pelze jagen Sie sie sofort in die Flucht!“

Wir hatten bereits bemerkt, daß unsere Pelze und wasserdichten Mäntel auf die Bauern eine abstoßende Wirkung ausübten. Wir sprachen also vom Automobil aus, indem wir unserer Stimme einen sanfteren Klang gaben, um weniger teuflisch zu erscheinen.

Der Fürst hatte die zärtlichsten Töne gefunden, als er sagte: