Unvermutet stoßen wir auf ein Automobil. Es erwartet uns und hat die Aufgabe übernommen, uns den Weg zu zeigen. In großen Buchstaben steht auf ihm geschrieben: „Paris–Petersburg.“ Es ist ein kleines Automobil von 12 Pferdekräften, mit einer Rennkarosserie und genügend schnell. Es wird von seinem Besitzer gelenkt, Herrn Efron, einem der tätigsten Mitglieder des Petersburger Automobilklubs, der aus Paris gekommen ist.

Ein rascher Austausch von Grüßen, Händedrücke, und hinter dem Lotsen geht es weiter durch die breiten Alleen, die zu der berühmten kaiserlichen Residenz führen. Der Regen hat aufgehört.

Der Sand macht unsere Fahrt geräuschlos; die Automobile gleiten, fliegen hintereinander dahin. Nachdem wir aus den Parkanlagen heraus sind, wollen wir auf Petersburg zu. Mit einem Male ertönt an einer Straßenbiegung ein begeistertes Hurra, das uns zum Halten veranlaßt; eine lange Reihe von Automobilen erwartet uns! Wir steigen ab und sind von einer freudig erregten Menge umdrängt. Wir begrüßen den italienischen Militärattaché, der dem Fürsten die Glückwünsche des Botschafters überbringt, den italienischen Konsul, eine große Anzahl Mitglieder des russischen Automobilklubs, den Sekretär, der uns im Namen sämtlicher Automobilfahrer begrüßt, den Präsidenten des Petersburger Komitees für die Fahrt Peking–Paris und viele Damen, die unseren Wagen mit Blumen überschütten.

Automobile langen fortwährend an und bringen uns neue freudige Begrüßungen: wir sind eine Stunde zu früh gekommen. Man hatte vereinbart, sich an diesem Punkte zu treffen und uns dann entgegenzufahren, und wir waren schon zu der Versammlung erschienen. Wie in Moskau hatte der Fürst auf eine telegraphische Anfrage die Berechnung allzu sibirisch aufgestellt. So früh waren wir gekommen, daß man, um das Programm wieder in Ordnung zu bringen, uns bat, etwas zurückzufahren.

So kehren wir, anstatt nach Petersburg weiterzueilen, in die dunkeln Alleen des kaiserlichen Parkes zurück; alle Automobile folgen uns. Die Aufgabe, uns zu führen, fällt nunmehr dem mit einer Signalflagge versehenen Wagen des Präsidenten des Automobilklubs zu. Seltsam, die Flagge ist weiß mit einer roten Scheibe in der Mitte: die japanische Nationalflagge! Der geräuschvolle Zug fährt bis zum Bahnhofe von Zarskoje Selo, wo der Beschluß gefaßt wird, die Zeit auf bestmögliche Art, mit Essen und Trinken, totzuschlagen.

Das Restaurant wird gestürmt; es fließt Champagner, es wird angestoßen. Der Sekretär des Automobilklubs überreicht dem Fürsten im Namen des Klubs eine wertvolle Erinnerungsmedaille, die die Klubinsignien und das Petersburger Wappen in Gold, Silber und Emaille trägt. Inzwischen wird unserer Maschine ein anderes wertvolles Geschenk verehrt in Gestalt einer eleganten silbernen Platte mit den Chiffren des Klubs in Gold und mit der gravierten Inschrift: „Pechino–Parigi. Pietroburgo, 19 luglio 1907.“

2 Uhr ist die richtige Stunde, die Fahrt nach Petersburg wieder aufzunehmen, und wir brechen auf.

Wir betreten die Hauptstadt durch das Narwator, das der Schauplatz der bekannten Metzeleien gewesen ist, und gelangen ins Innere, auf die Große Morskaja, die Straße der feinen Welt, und auf den Marienplatz, wo sich das Denkmal Nikolaus’ I. erhebt, bewacht von weißbärtigen Invaliden in der alten Uniform der Gardegrenadiere.

Auf dem Petersplatze umringt uns die Menge und nötigt unsere Maschine für einige Augenblicke zum Halten. Wir befinden uns im Herzen Petersburgs und des Reiches, zwischen den Palästen des Heiligen Synod, des Senats, des Kriegsministeriums und der Admiralität, den Sitzen der russischen Macht. Es ist einer der großartigsten Plätze der Welt; noch nie hatte ich seine strenge Majestät so gefühlt wie jetzt, da ich plötzlich aus endlosen, menschenleeren, grauen Ebenen hierherkam.