Kaum setzt der Fürst in der Garage des Automobilklubs den Fuß zur Erde, so überreicht ihm ein Klubmitglied der alten russischen Sitte gemäß Brot und Salz als Zeichen der Gastfreundschaft. Damit ist die Feierlichkeit beendet, und wir können uns als einfache Privatleute im Hotel d’Europe der Volksbegeisterung entziehen. —


Am 20. Juli früh 4½ Uhr verließen wir die russische Hauptstadt, etwas müde von dem frühen Aufstehen nach nur drei Stunden Schlafs.

Das russische Komitee für die Fahrt, der Automobilklub und die italienische Kolonie hatten uns bei einem Bankett festgehalten, bei dem wir in unseren schmutzigen Reisekostümen erschienen waren. Das Ende des glänzenden Festes vermischte sich in unserer Erinnerung mit der Abfahrt. Als wir das Automobil wieder bestiegen, umdrängten uns viele der Gäste und wiederholten dieselben herzlichen Abschiedsworte und Wünsche, die sie uns wenige Stunden zuvor im Lichte der Kronleuchter bei erhobenem Glase ausgesprochen hatten.

Wir fuhren wieder durch die Straßen, die wir gekommen waren. Sie waren menschenleer und erschienen uns um so breiter und länger.

Als wir uns eine halbe Stunde später umwandten, sahen wir nur noch die in den Strahlen der aufgehenden Sonne glühenden Kirchturmspitzen über dem rosenfarbigen Nebel schweben.

Dank dem heiteren Wetter und der guten Straße kamen wir anfänglich rasch vorwärts. Dann aber strömte der Regen wolkenbruchartig nieder und begleitete uns mit größerer oder geringerer Ausdauer den ganzen Tag über.

Plötzlich wurden wir durch einen Unfall zum Halten genötigt: die rechte Hinterfeder war gebrochen. Die Schuld lag zum Teil an dem Kasaner Stahle, zum Teil an uns, weil wir alle Ersatzpneumatiks hinten auf das Automobil gelegt und so die Belastung der Feder gesteigert haben. In Moskau hatten wir uns mit einer Ersatzfeder versehen. In dem Augenblick, als wir sie an die Stelle der zerbrochenen bringen wollten, bemerkten wir leider, daß sie um einige Zentimeter zu kurz war! Ich weiß nicht, wie Ettore das Wunder vollbracht hat, Tatsache ist, daß es ihm gelang, die neue Feder einzusetzen. Sie war etwas zu sehr gespannt, funktionierte nicht in der richtigen Stellung und senkte sich tiefer herab als die andere, aber sie gestattete uns schließlich doch, die Fahrt fortzusetzen. Um ihre Belastung zu vermindern, wiesen wir den Ersatzpneumatiks und dem Gepäck eine andere Stelle an, auf dem Hintersitz, meinem Platze. So fuhren wir alle drei wie einst in der Mongolei und Transbaikalien im vorderen Teile des Wagens vereint; der Platz auf dem Trittbrett kam wieder zu Ehren.

Wir kommen durch Luga, am Nachmittag durch Pskow.

Wenn es, was selten eintrat, nicht regnete, steigerten wir die Schnelligkeit, da wir beabsichtigten, die Nacht in Dwinsk, 530 Kilometer von Petersburg, zuzubringen.