Der Weg schlängelte sich nach Norden, sandig, unregelmäßig, von Zeit zu Zeit von Bächen unterbrochen. Bald waren diese breit wie ein Flußbett, bald von dem Grün der Felder überwuchert, bald verloren sie sich in dichten Hainen, deren alte Bäume Gräber und heilige Inschriften überschatten, die auf große, aus dem hohen Grase emporragende Steine eingemeißelt sind. Wir fuhren nicht rasch. Das Automobil stieß, schwankte; es mußte abwärts, aufwärts und in schiefer Haltung fahren infolge der leichten Unebenheiten und der wellenförmigen Beschaffenheit des Geländes; es durchschnitt den Sand mit den Bewegungen einer Katze.
„Diese bestienartigen Bewegungen gefallen mir“, rief Don Livio.
Aber die Bestie schien uns mehr als einmal von unseren Sitzen herabwerfen zu wollen, so daß wir uns mit aller Kraft festhalten mußten. Zwischen unseren Füßen sahen wir die durch nichts verdeckte Kardanwelle sich mit wirbelnder Geschwindigkeit um sich selbst drehen; wir befanden uns in unmittelbarer Berührung mit der Maschine, und unter uns flog die Straße in verwirrendem Anblick hinweg, dem schwindelerregenden Abwickeln eines Bandes vergleichbar. Das Geschwindigkeitsgetriebe fegte mit seiner rasenden Schnelligkeit, die einen musikalischen Ton erzeugt, über den Boden und wirbelte den Staub auf, der in Wolken zwischen den Achsen, den Transmissionen aufstieg und uns von unten her umringte und einhüllte.
Man konnte nicht rasch fahren, und der Motor erhitzte sich. Das Automobil ist wie eines jener feurigen, lebhaften Rosse, die, wenn sie durch den Zügel zurückgehalten werden, schwitzen, schnauben und sich unbehaglich fühlen, und die, wenn man sie Galopp gehen läßt, sich zu erholen scheinen. Außerdem hatte der Motor mit dem Widerstande des Sandes zu kämpfen. Wie ein Hauch entströmte der Dampf zischend dem Verschluß des Auspuffs. Wir mußten halten und frisches Wasser auffüllen. Wir baten die Landleute darum, und sie holten es uns aus den zahlreichen Brunnen in der Nähe ihrer Lehmhäuschen, der armseligen Wohnungen des chinesischen platten Landes, die sich in den Schatten hoher Bäume schmiegen, wie um Schutz zu suchen, und die, umgeben von der Arbeit und dem Segen der Felder, einen so beneidenswerten Eindruck von Zufriedenheit und Ruhe machen. Mit Eimern, die sie an Stangen im Gleichgewicht trugen, kamen die Landleute herbei, ohne dem Automobil mehr Aufmerksamkeit zu schenken, als wenn es von einem Maultiere gezogen worden wäre.
Wir durchfuhren schmutzige, lärmende Dörfer, die von einer halbnackten Bevölkerung wimmelten; die Sommerkleidung des armen Chinesen besteht oft nur aus einem Paar Beinkleidern und einem Fächer. Wir fragten im Vorbeifahren nach dem Namen des Landstriches, um sicher zu sein, daß wir keinen falschen Weg einschlugen.
„Ist dies Örr-li-tien?“
Die Leute verneigten sich zum Zeichen der Bejahung und bestätigten mit naiver Freude, daß sie unsere Frage verstanden hatten, indem sie mit dem geschlossenen Fächer auf die flache Hand schlugen. Wir fragten weiter:
„Wie weit ist Tsing-ho-pu entfernt?“
Dies ist keine Erkundigung, auf die man in China nur eine einzige Antwort erhalten kann.
„Fünf Li“ (1 Li = 442 Meter), rief uns ein alter Mann zu, indem er uns die fünf Finger seiner ausgestreckten Hand zeigte.