Einer der Nebenstehenden hob jedoch mit derselben Mimik nur drei Finger in die Höhe. Und ein anderer rief in überzeugtem Tone:
„Acht Li!“
„Drei, fünf oder acht?“ fragten wir, mit einer gewissen Ungeduld das Automobil anhaltend.
Unsere Gewährsmänner traten aus Vorsicht einen Schritt zurück und wünschten uns mit einem höflichen Lächeln glückliche Reise.
Versuch, die monumentale Brücke zu forcieren.
Am Flusse Tsing-ho begegneten wir der ersten Schwierigkeit. Die alte Brücke, die über ihn führt, war für das Automobil fast ungangbar. Wir suchten eine Furt, wir durchstreiften das Ufer nach allen Richtungen in der Hoffnung, die Spuren einer Übergangsstelle zu entdecken. Nichts, es gibt nur einen Weg, und der führt über die Brücke.
Es ist eine monumentale Brücke, eine von jenen, die die europäische Überlieferung auf die Tätigkeit Marco Polos im 13. Jahrhundert zurückführt, die aber vielleicht nicht älter ist als die von 1368 bis 1644 herrschende Mingdynastie, ein herrliches Kunstwerk, ganz aus Marmor. Die mit Reliefs geschmückten Brüstungen, von einer Zierlichkeit, die etwas Europäisches an sich hat und die die Überlieferung rechtfertigen könnte, verbinden in anmutigem Schwunge die beiden Ufer. Sie bilden einen Bogen von einzigartiger Formenfülle, ein weißschimmerndes Gerüst, einen stolzen Übergang, der sich einsam mitten in der unberührten Rauheit eines Landes erhebt, das seine alte Leidenschaft für das Schöne und Große vergessen hat. Riesige Marmortafeln bilden das Pflaster der Brücke; aber der Verkehr hat sie abgenutzt und zerbrochen, die Zeit hat ihren Zusammenhang gelockert. Es hat den Anschein, als habe eine langsame Erdbewegung im Laufe der Jahrhunderte diese Steinplatten aus ihrer Lage gebracht, indem sie sie wie Grabplatten emporzuheben suchte. Man möchte sagen, die Brücke sei nie mehr von den Händen eines Künstlers oder Handwerkers berührt worden, seit Peking Chan-baligh, „Stadt des Chan“, hieß, und Marco Polo sie Kambaluk nannte. Mit welcher Liebe für die Geschichte und die Kunst hätten wir diese Reliquie betrachtet, wenn wir sie nicht mit einem Automobil von 50 Pferdekräften und 1500 Kilogramm Gewicht hätten überschreiten müssen!
Nun aber sind die Anfahrtsböschungen zu der Brücke verschwunden, weggeschwemmt von den Hochwassern, zerfressen von den Regengüssen, Stück für Stück entfernt durch den Übergang von Millionen von Menschen, von dem Strome der Menschheit, der sich vielleicht 600 Jahre lang über jene Marmorplatten ergossen hat. Und jetzt gelangt man zur Brücke auf steilen Pfaden, auf denen wankende Steine hohe Stufen bilden. Beinahe das ganze Niveau der Ebene ringsum hat infolge von Überschwemmungen sich gesenkt, und nur die Brücke ist stehengeblieben zum Zeugnis der Höhe, bis zu welcher sich das chinesische Land erhob, als noch der ruhmreiche Kublai Chan herrschte.