Alle übrigen verlassen gleichfalls die Arbeit und stürzen unter einem Höllengeheul auf die Kämpfenden zu. Der alte Aufseher bläst bis zur Atemlosigkeit in seine Pfeife, das Attribut seiner gehorsamheischenden Würde. Pietro schreit von der Höhe des Sattels herab ebenfalls. Wir wissen nicht, was wir denken sollen. Eine Meuterei, eine Revolte?

Wir stürzen auf die Unruhestifter los wie Wächter der öffentlichen Sicherheit auf die Teilnehmer an einer staatsgefährlichen Kundgebung und drängen uns mit Gewalt durch, bis es uns endlich gelingt, die ersten beiden Chinesen, die sich inzwischen bei ihren Zöpfen gefaßt haben und einander voller Wut das Gesicht zerkratzen, am Kragen zu packen. Es sieht aus, als wenn Weiber sich stritten.

„Was gibt es?“ donnern wir. „An die Arbeit! Vorwärts!“

„Pietro, was ist geschehen?“

Der unbezahlbare Pietro erklärt es uns und bringt uns zum Lachen. Die beiden Chinesen hatten sich wegen einer Verletzung des Ehrgefühls geschlagen. Der eine hatte zum andern gesagt: „Du strengst dich nicht an, du arbeitest nicht; warum bist du überhaupt mitgekommen?“ Die Beleidigung war schwer. Der andere, ein Knabe von mädchenhaftem Aussehen, dem wir deswegen den Spitznamen „das Fräulein“ gegeben hatten, stürzte sich auf den Beleidiger, um ihn am Zopfe zu ziehen, was in den Augen eines Chinesen einen entsetzlichen Racheakt bedeutet. Die Gefährten waren eingeschritten, um den Streit zu schlichten.

„Pietro, wie wird die Sache enden?“

„Sie ist doch schon zu Ende,“ erwiderte er uns erstaunt; „wenn man einen am Zopfe gezogen hat, so ist alles zu Ende.“

Und in der Tat sehen wir unsere Helden, angeschirrt an ein und dasselbe Seil, ohne die geringste Spur von Groll wieder nebeneinander ziehen; von dem Streite haben sie kein anderes Andenken davongetragen, als einige blutige Risse, die sie sich von Zeit zu Zeit mit dem Ärmel abwischen.