Die Automobile an der Schwelle der Mongolei.

Die Schwierigkeiten des Weges nahmen plötzlich unsere ganze Aufmerksamkeit in Anspruch.

Der Pfad schlängelte sich zwischen Felswänden hin, die so nahe aneinanderstanden, daß wir sie auf beiden Seiten berührten, wenn wir die Arme ausbreiteten. Mit welcher Angst im Herzen zogen wir durch jene gewundenen Felsgänge! Es war uns, als müßte das Automobil hier eingeklemmt steckenbleiben. Umzukehren wäre unmöglich gewesen. Unten näherten sich die Felswände so sehr, daß eins der Räder immer ein wenig auf dem Felsenvorsprung fahren mußte. Die Maschine stand während des ganzen Marsches schief. Es bedurfte einer wunderbaren Sicherheit des Auges und der Hand, um sie zu lenken. Es handelte sich dabei um Zentimeter, ja um einen einzigen Zentimeter. Mitunter drehte sich Ettore, nachdem er die Bremsen heftig angezogen und die Maschine hierdurch zum Stillstand gebracht hatte, um und rief entmutigenden Tones: „Es geht nicht!“ Dann mußte man zur Spitzhacke greifen, einige Vorsprünge weghauen, messen, es noch einmal versuchen, indem man bei dem Rufe: „Man-man-ti!“ „Langsam!“ nur die Menschen allmählich anziehen ließ.

Die größere Gefahr bestand für die Hinterräder. Sie wurden derart unten eingeklemmt und zwischen die Füße der beiden Wände gepreßt, daß sie sich auseinanderzubiegen drohten wie die beiden Striche eines V. Wir fürchteten, daß die Speichen oder die Achse des Differenzialwerks brechen könnten. Als sie aber aus dem Engpaß herauskamen, nahmen sie zu unserer Freude wieder ihre parallele Stellung ein. Zuweilen konnte man jedoch nicht umhin, zu glauben, daß die Anhänger der kleinen Automobile recht hätten. Fünf Zentimeter weniger Breite, und wir wären mit geschlossenen Augen überall durchgekommen.

Der erste Halt in der Mongolei.

Bei einer Wendung hörten wir einen Stoß, begleitet von einem unheilverkündenden Knirschen. „Es ist vorbei!“ riefen wir angstvoll. Das Automobil war mit der einen Seite heftig angestoßen. Zum Glück hatte sich der Schaden auf die Schutzwand beschränkt, die zersplittert war, sowie auf den Tritt, der sich nach hinten gebogen hatte. Ettore wütete; er hätte die Hälfte seines Lebens darum gegeben, wenn er mit einem Schlage aus diesen Schluchten, die sich endlos hinzuziehen schienen, herausgewesen wäre.

Die Felsschluchten begannen mit sandigen Strecken abzuwechseln. Die Felsen wurden kleiner, der Sand nahm zu. Am Nordfuße der Berge haben die stürmischen Winde, die aus der Mongolei kommen, Dünen aufgetürmt und so die Klippen unter ihren eigenen zerriebenen Trümmern begraben. In den Tälern bildet der Sand weite, die Abhänge einebnende Flächen, die großen gelben Flüssen gleichen. Allmählich langten wir auf den abgerundeten Gipfeln jener Dünen an, und zwar auf Wegen, die durch den jahrhundertelangen Karawanenverkehr in den Sand getreten worden waren. Von da erblickten wir zum ersten Male die einem Ozean gleichende, in der Klarheit des Horizontes blau verschwimmende mongolische Hochebene.

Hier erwarteten uns endlose Steppen und die Wüste. Hier winkte uns die Eilfahrt, die Befreiung, das Leben des Okzidents.