Wir warfen die Hüte in die Luft und ließen in den klaren Himmel hinein einen Ruf der Begeisterung ertönen: Evviva!

Fünftes Kapitel.

An der Schwelle der Mongolei.

Die Neugier eines Mandarinensohnes. — Telegraph und Opium. — Im Kampf mit dem Schmutze. — Kalgan. — Zwischen Ta Tsum-ba und Tu-tung. — Fertig.

Die mongolische Ebene mit ihrer ozeanartigen Beschaffenheit hat die Eigentümlichkeit, daß sie sich höher erhebt als die höchsten Berge. Sie scheint von einer ungeheueren Flut emporgehoben worden zu sein, 1500 Meter hoch. Man hat gesagt, China sei das Land des Widersinns; hier hat man ein phantastisches Beispiel davon: die Berge unten und die Ebene oben. Unterhalb der unermeßlichen Steppen zeichnen sich die Berge von Kalgan ab mit den längs ihrer Kämme verstreuten Türmen der letzten Mauer.

Der Anblick dieses Horizontes, der in der Richtung unseres Zieles frei und offen vor uns liegt, flößt uns neuen Mut ein. Seit zwölf Stunden waren wir unterwegs, aber unsere Müdigkeit ist verschwunden. Vorwärts, vorwärts! Und eilenden Schrittes stiegen wir die steilen Abhänge der Dünen hinab in der Richtung auf die sandige Ebene von Hsin-wa-fu. Hinter uns verdämmerte in der Ferne der Lien-ya-miao, den wir am Morgen überschritten hatten.

Die Ebene ist bedeckt von alten Gräbern, einstürzenden Bogen, Steinen, baufälligen kleinen Pagoden. Wir näherten uns einer großen Stadt, und die Umgebungen der großen Städte sind dem Gedächtnis der Verstorbenen geweiht; der Tod heiligt alle, die hier bestattet liegen und deren Geister viel Bedeutung und viel Einfluß auf das Leben der Bewohner besitzen. Hsin-wa-fu ist die Hauptstadt des Bezirks und Sitz eines Gouverneurs; es hat eine Garnison und sogar ein kleines Fort, das nach dem Einfalle der Fremden errichtet und vorsichtigerweise in einem kleinen Erlengebüsch vor den Toren versteckt wurde.

Wir sahen die Mauern ihre Zinnen über die brennende Ebene erheben, zitternd im Widerprall der Sonnenstrahlen, als unsere Aufmerksamkeit von einer großen Staubwolke in Anspruch genommen wurde, die sich in der Richtung auf Hsin-wa-fu erhob. Nach kurzer Zeit bemerkten wir, daß sie von einer Anzahl Reiter herrührte, die im Galopp auf uns zusprengten und sich rasch näherten. Nach der Kleidung zu urteilen, waren es Chinesen jedes Standes. An der Spitze der Gruppe ritten die beiden verdächtig aussehenden Soldaten, die nach uns gesehen hatten, als wir in Schan-schui-pu die Brotfladen aßen. Diese Leute kamen also unsertwegen. Als sie in unsere Nähe gelangt waren, hielten sie, ohne sich im mindesten die Mühe zu nehmen, uns zu begrüßen, beobachteten uns einige Minuten mit offenbarer Unzufriedenheit, wandten dann ihre Pferde und sprengten mit verhängtem Zügel davon.