Einmarsch in Hsin-wa-fu.

Einen Augenblick hatten wir uns mit der Hoffnung geschmeichelt, sie seien gekommen, um uns Gastfreundschaft anzubieten, und hatten uns für diesen Fall unseren ganzen Vorrat von chinesischen Begrüßungs- und Höflichkeitsformeln zurechtgelegt. Wir konnten uns nun dieses Reitermanöver nicht erklären. Pietro aber hatte Zeit gefunden, mit einem der beiden Soldaten zu sprechen, und belehrte uns:

„Haben gesehen jungen Mann gekleidet blaue Seide, zu Pferd vor allen andern?“ fragte er.

„Ja; nun, und?“

„Junger Mann sein Sohn des Mandarinen. Haben gesehen dicken Mann mit Brille und Strohhut wie mein Hut? Dicker Mann sein großer Gelehrter, Lehrer von Sohn von Mandarin. Andere sein Freunde, Beamte, Diener ...“

„Was wollten sie denn?“

„Wollen sehen laufen Automobil. Automobil nicht laufen, alle weggehen nicht zufrieden.“

Sie hatten nicht unrecht, diese alle, müssen wir gestehen. Es wird dem Sohne des Mandarinen von Hsin-wa-fu nicht alle Augenblicke die Gelegenheit geboten, die berühmte abendländische Maschine zu sehen, die rasch wie der Wind fährt. Und nun wurde die Ankunft des Ki-tscho amtlich aus Peking mittels einer telegraphischen Depesche des Wai-wu-pu gemeldet. Man weiß, daß einer von ihnen mit schwindelerregender Schnelligkeit durch die Dörfer und Flecken gerast ist und in Schem-pao-wan übernachtet hat. Soldaten werden zur Erkundung ausgeschickt und kommen, die Sporen in die Weichen der Pferde gedrückt, mit der Nachricht zurück: „Er ist da!“ Um ihn zu sehen, muß man einen weiten Weg machen, und es bildet sich eine regelrechte Expedition, die im Galopp davonsprengt. Das fremde Wundertier erscheint am Horizont, es nähert sich. Es scheint langsam anzukommen, vielleicht ist dies aber nur die Folge der Ungeduld. Noch kurze Zeit, und der Sohn des Mandarinen nebst Lehrer und Begleitern stoßen schließlich auf einen langsam sich bewegenden massiven Wagen, gezogen von einem Esel, einem Maultier, einem Pferde, die wiederum von einer willigen Schar von Söhnen des Himmels unterstützt werden! Nein, im Grunde hatten sie gar nicht so unrecht, wenn sie sich von uns sehr enttäuscht zeigten.

Beim Betreten der Vorstadt, die sich wie ein ungeordnet hinausgeworfener Teil der zu eng gebauten Stadt ausnimmt, erwartete uns eine große Menschenmenge, die durch das Kommen und Gehen der Reiterschar des Mandarinen neugierig geworden war. Sie umringte uns, wobei sie einen Höllenstaub aufwirbelte, und geleitete uns zu einer Karawanserei.