Eine neue Zuschauermenge hatte sich jetzt um uns versammelt: mit Gewehren bewaffnete chinesische Soldaten, die von einer aus Lehm erbauten, von Mauern mit Zinnen und Schießscharten umgebenen Festung kamen; Karawanenführer, die ihre Lasttiere verlassen hatten, um zu sehen, was sich Außergewöhnliches in der Steppe zutrug; Mongolen, die in benachbarten Jurten wohnten und samt ihren Frauen mit den runden Gesichtern und den mit Ketten geschmückten Haaren herbeigekommen waren. Diese ganze Menschenmenge füllte jedes Plätzchen: sie betrachtete die Automobile mit vorsichtiger Neugier und folgte unseren Bewegungen mit gespannter, scheuer Aufmerksamkeit, als messe sie jedem Handgriff der Fremden eine geheimnisvolle Bedeutung bei. Genau so würden sie bei der Beschwörung eines Zauberers zugesehen haben. Um die Menge fernzuhalten, beschrieb Ettore einen weiten Kreis um die „Itala“, indem er die Erde mit einem eisernen Geräte furchte. Niemand wagte es, diese furchtbare Linie zu überschreiten.

Vergebens suchten wir das Gepäck auf dem dafür bestimmten Platze unterzubringen. Außer dem Gewichte der Behälter hatten wir noch Vorräte an Öl und Benzin, Gummistreifen und Lebensmittel für zehn Tage bei uns und hielten es für unklug, auf irgend etwas zu verzichten. Das Gepäck nahm auch den Platz des Hintersitzes ein. Wir beschlossen, alle drei im vorderen Teil des Automobils zu fahren, zwei auf den Sitzen und der dritte links zu Füßen der andern auf dem Boden der Karosserie, die Beine auf den Tritt stützend. Die Stellung des Dritten war nicht besonders bequem, aber wir wollten abwechseln. Das erste Opfer war Ettore.

Eigenartiger lamaistischer Tempel in der Wüste an altägyptische Bauten erinnernd.

Es war 2 Uhr nachmittags, als wir uns auf den Weg machten, nachdem wir in aller Eile ein Frühstück aus Cornedbeef zu uns genommen hatten. Der Fürst fuhr voran; die andern Automobile folgten. Pietro war schon aufgebrochen, um vor Torschluß noch in Kalgan zu sein. Er hatte sich von uns verabschiedet und uns in seiner blumenreichen Sprache so überströmenden Herzens gedankt, als hätten wir ihm die größte Wohltat erwiesen, indem wir ihn von Peking 300 Kilometer weit mitgenommen hatten. Dann war er mit den Kulis in der Richtung auf die Große Mauer unseren Blicken entschwunden.

Wir durchfuhren das Tal bis zu seiner Mündung und gelangten auf die Ebene. Die Hügel schlossen sich mit der wachsenden Entfernung hinter uns zusammen und bildeten gleichsam ein Ufer. Wir hatten tatsächlich die lebhafte Empfindung, als stießen wir von einer Küste ab. Wir fuhren los.

Sofort machten wir eine schmerzliche Entdeckung: die allzu schwere Ladung drückte dermaßen auf die hinteren Federn, daß bei dem geringsten Stoß des Automobils das Chassis schwer auf die Achse des Differenzialwerks aufschlug. Wir mußten langsam fahren, aber das Gelände war uneben, und heftige Stöße folgten aufeinander.

„Wir zerbrechen die Federn oder das Differenzialwerk!“ rief Ettore aus, dem die Stöße ins Herz zu dringen schienen.

„Es hat keine unmittelbare Gefahr,“ erwiderte der Fürst, der sein kühles Urteil bewahrte, „aber das Automobil wird es nicht lange aushalten. Wir müssen es etwas leichter machen.“

„Sofort?“