Gegen Mittag begannen sich wieder Spuren von Vegetation auf dem Grunde einiger Einsenkungen zu zeigen, in denen augenscheinlich etwas Feuchtigkeit zurückgeblieben war. Bald wurden wir von dem Fluge weißer Vögel überrascht, und unmittelbar darauf entdeckten wir einen kleinen Pfuhl in einer breiten Bodensenkung. Am Ufer schritten Stelzvögel würdevoll auf und ab. Wir hielten, um Wasser einzunehmen, das Ettore mit dem Topfe zu schöpfen ging. Das Wasser war völlig ungenießbar, von übelm Geruche, gelblich und schmeckte leicht salzig; wir verwandten es für den Motor, der ja keinen Gaumen besitzt. Aber dieses Wasser zeigte uns durch sein Vorhandensein an, daß wir bereits aus dem unheilvollen Reiche der völligen Trockenheit heraus waren. In der Tat stießen wir auch nach einigen zwanzig Kilometern auf Brunnen, um die herum Karawanenlager aufgeschlagen waren.

In der Nähe eines dieser Brunnen lagen nur zwei schlafende Chinesen — vielleicht zwei Unglückliche, die zu Fuß in kleinen Tagemärschen in ihr Vaterland zurückkehrten. Sie besaßen nicht einmal ein Zelt, um sich vor der Sonnenglut zu schützen. Als einziges Gepäck hatten sie einige Lumpen in einem Sacke. Auf dem Sande ausgestreckt, der zu glühen schien, lagen sie halbnackt mit bloßem Kopfe und schliefen. Neben ihnen rauchten die Reste eines Feuers, und über dem Feuer dampfte die Teemaschine, die in dem Gepäck auch des ärmsten Chinesen nicht fehlen darf, ebensowenig wie der Samowar beim ärmsten Russen. Es war uns unfaßbar, wie Menschen die fürchterliche Qual dieser Hitze aushalten konnten. Als sie Geräusch vernahmen, erwachten sie und richteten sich auf, um uns mit ihren schläfrigen Augen zu betrachten, dann streckten sie sich wieder aus. Sie mußten abgemattet und betäubt sein. Was war unsere Reise im Vergleich zu der ihrigen? Wir erinnerten uns des Pilgers, den der Fürst bei Nankou angetroffen hatte, jenes Mannes, der, alle drei Schritte die Erde küssend, die Wüste durchquert hatte, und dachten daran, daß, wenn die beiden Chinesen ihm begegnet wären, sie vielleicht mit ihm dasselbe Mitleid gehabt hätten, das wir mit ihnen hatten.

Das Wasser der Brunnen war klar und kalt. Nachdem wir unseren Durst gelöscht hatten, füllten wir den Eimer damit und reichten uns während der Fortsetzung der Fahrt unausgesetzt volle Becher davon. Unter den Wirkungen der Hitze konnten wir wenigstens eine gute feststellen: den geringen Benzinverbrauch. In der explosiven Mischung, die sich bei der Berührung mit dem elektrischen Funken entzündet und so die treibende Kraft des Motors hervorbringt, war nur ein ganz geringer Teil Benzindampf enthalten.

Wir bemerkten dies an dem Funktionieren des Ventils, das automatisch Luft in das Gemisch einläßt; es blieb ganz offen stehen, und es war augenscheinlich, daß die Luft in ungemein großem Maße in den Vergaser einströmte. Der Fürst bemerkte, daß wir uns mehr mit Hilfe der Luft als mit Hilfe des Benzins weiterbewegten.

Mongolen.

Mit dem Vorschreiten des Tages nahm die Hitze zu. Die Sonne, die uns zuerst zur Rechten, dann im Rücken gestanden hatte, begann uns nunmehr von der linken Seite aus zu peinigen. Bei der Abfahrt von Peking hatte ich den Korkhelm verschmäht, mit dem der Fürst und Ettore sich ausgerüstet hatten, und forderte die Gluthitze der Wüste Gobi nur unter dem bescheidenen Schutze eines Panamahutes heraus, dessen Krempe infolge der Geschwindigkeit der Fahrt sich über meiner Stirn zurückschlug und so mein Gesicht vollständig bloßlegte. In wenigen Stunden verwandelte die Sonne uns zu grotesken Masken, und ich war leider die groteskeste. Die Gesichter nahmen eine dunkelrote Farbe an, schwollen auf und schmerzten, so daß wir nicht einmal die leise Berührung des Taschentuches ertragen konnten. Das frische Wasser, das uns an den vorhergehenden Tagen köstliche Abwaschungen ermöglicht hatte, verursachte jetzt ein unangenehmes Brennen. Hier und da schälte sich an dunkler gefärbten Stellen die Haut ab. Wir hatten den Eindruck, als würden wir langsam gekocht. Die entzündeten Augen brannten uns im Kopfe, die Lippen waren geschwollen, vertrocknet, aufgesprungen. Ettore schmerzte namentlich der Mund, dessen Winkel bluteten. Entsetzlich litt er an den Händen, die von der harten Arbeit schon rissig geworden waren und auf denen die Sonnenglut tiefe offene Furchen in das Fleisch einbrannte; die geschwollenen Finger zitterten vor Schmerz. Nicht hoch genug bewerten läßt sich das ungeheuere Maß von Selbstverleugnung, von Ehrgeiz und Energie, das Ettore aufbot. Da, wo es sein mußte, unterdrückte er jeden Schmerz und zwang seine wunden Hände zu den härtesten Anstrengungen, die mitunter Blutspuren an den Werkzeugen und den Maschinenteilen zurückließen. Wenn er dann seine Arbeit mit der peinlichsten Gewissenhaftigkeit vollendet hatte, betrachtete er die Wunden und murmelte mit seinem an ein großes Kind erinnernden Lächeln:

„Ich fürchte, daß wir nicht weiterkommen.“