Vor der Kirche blieb Estella stehen und zeigte ihm eifrig die hohen, spitzen Fenster, die geschnitzten Tore, die Wasserspeier und den wunderschönen Apostel Paulus, und als aussen nichts mehr zu sehen und zu finden war, schleppte sie ihn noch hinein in das Innere und da sollte er wieder schauen und bewundern; sie bot alles auf, ihn zu zerstreuen und von sich zu befreien.

Aber der hohe, feierliche Dom, der sein düsteres Dach über ihm zusammenschlug, verdüsterte seine Seele immer mehr. Er sah, die er liebte, oben am Altare stehen, umwallt von einem weissen Schleier, er hörte sie das beglückende Wort sprechen, fühlte seine junge Frau an seinem Arme schreiten und sah blühende Kinder, die ihr glichen, unter den Bäumen spielen, die draussen um sein Forsthaus standen ...........

Es war, als Estella eben sagte:

»Sehen Sie, das eine Glasfenster da oben ärgert mich jedesmal. Diese 18jährige Mutter Maria hat einen so alten Sohn in ihren Armen. Darunter leidet die überzeugende Wahrhaftigkeit dieses Vorwurfs und damit seine Eindringlichkeit; ich wenigstens könnte z. B. an einem Pferde mit fünf Füssen keine Freude haben, wenn es noch so schön gemalt wäre. Wie soll man an so was glauben? –«

Aber, ebenso gut hätte sie schweigen können, denn er hörte nichts. Und so verliessen sie die Kirche wieder. »Den kann ich doch nicht aus sich herausziehen« dachte sie.

Die Sonne brannte heiss herunter und prallte blendend und stechend von den Häusern ab, wo sie draussen kosend von den Bäumen gehangen und segnend über die Felder gegangen wäre. Herinnen in dem Winkelwerk und Gekünstel von Menschenhand wusste sie nichts anzufangen mit all' ihrer Fülle und Kraft. Wie ein machtvolles Organ, dessen grosser Ton sich stolz durch einen Dom trägt, an engen Stubenwänden zerschellt und misstönig davon zurückschlägt.

Die schmalen Gassen waren schwül und von einem schlechten Geruch erfüllt. Ein paar Geschäftsleute stunden gähnend vor ihren Läden, aber die Kauflustigen sassen hinter ihren beschatteten Fenstern und sahen schläfrig auf die Strasse – ausser Estella. Doch auch sie drängte nach Hause und schlug einen der schattigen Wallwege, die aussen um die Stadtmauer herumführten, vor.

Da hörten beide einen eiligen Schritt hinter sich herkommen und Jemand rief:

»Guten Tag, gnädiges Fräulein, wollen Sie nicht ein wenig warten, ich möchte um etwas fragen?!«

Atemlos kam der Maler Makassy über das holprige Pflaster dahergelaufen.