Makassy hatte sich, zu Hause angekommen, auf seine Ottomane geworfen, ging zu Rate mit sich selber und wusste nicht, was er wollte und sollte. Er wusste nur, wie klein und niedrig er war und wie er hier wieder nach billigen, wohlfeilen Mätzchen griff, seine Nacktheit zu decken, um seine Zwecke zu erreichen und Weiber zu fangen, die sonst geflohen wären.
Er dachte an Estella. Und wieder kam es leise zu ihm gegangen, das Schöne. Das Schöne, dem Einfachen entsprungen. Wie ruhevoll das war. Es lag über diesem Lande, über den Wäldern, über den Wässern und es lag in dieses Mädchens Herz.
Was wollte er mit seinem Trieb nach Zerstörung? Beneidete er oder war es Hass? Im Hass liegt Kraft und Grösse. Das war es nicht. Sondern etwas Hinterlistiges, Schleichendes, das von rückwärts überfiel und langsam mordete – – um rücksichtslosen, selbstsüchtigen Genuss.
Heute hatte er den ersten Spatenhieb eingestossen in die glatte Erde von Estellas sonnigem Garten, wie sie ihn selber so treffend hiess – es war geschehen, daran war nichts zu ändern – aber er wollte selber wieder Blumen an diese Stelle pflanzen; ja, das wollte er.
Er war aufgesprungen und zum Fenster getreten. Misstrauisch sah er um sich – aber nichts geschah, niemand lachte. War das Gute so selbstverständlich?
Nichts geschah. Nur in schweigendem Ernst begann sich die Maiennacht langsam herunterzusenken. Draussen vor dem Fenster tobte und raste keine Grossstadt vorbei, sondern auf dunkeln, schlafenden Hügeln stellten sich still die Sterne auf. Wie feierlich das war!
»Habt ihr euch denn alle zusammengetan, alle gegen mich?« dachte er. – – – –
Als er das nächstemal in Brands Garten kam, begrüsste er Estella mit schlichter Herzlichkeit; es klang dürftiger als sonst, so dass sie aufsah.
Woher auch sollte sie wissen, dass es gerade heute wärmer war als je.
Sie setzten sich zur Arbeit und gute Gespräche gingen durch den Maienmittag.