»Sie haben das Volkslied viel richtiger erfasst als ich«, antwortete Makassy, »ein solches Lied soll rein und ruhig vor uns stehen, wie es gedacht ist. Ich hätte es gar nicht singen sollen.« –
Wieder Schweigen.
Dann gingen sie mitsammen in den Garten hinaus, der erfüllt war von erfrischtem Blumen- und Pflanzenduft und dem würzigen Geruch der feuchten Erde. Ein paar Vögel streckten und schüttelten sich die Nässe aus den Flügeln. Schnecken sondierten bedächtig aus ihrem trockenen Haus heraus den feuchten Weg und ein Bienlein dort auf dem Flieder kämpfte verzweifelt mit einem Regentropfen.
Estella sah nach dem allen und dies einfache Leben, das sich da in dem keuschen Tageslicht so offenbar allen abspielte, holte sie heraus aus dem schillernden Zaubertempel, in den dies Singen sie hineingelockt.
Ihre Augen wurden heiterer, gegenwärtiger und vorsichtig nahm sie jetzt ihr Kleid zusammen, das zuerst achtlos die nassen Wegränder und Blumenbüschel gestreift hatte.
Da rief er ihr auch schon zu: »Wie können Sie jetzt darauf achten!? Was liegt an diesem Kleide?«
Sogleich blieb sie stehen, lehnte sich an einen Lindenstamm, schaute ihn erst staunend an, dann freudig – und alle die Blumen ihres Gartens lachten aus ihrem Angesicht.
Durch diese Frage fühlte sie ihr wachsendes Interesse berechtigt. Ein wenig zauderte sie dennoch und frug ihn dann, sich ermunternd, nach seinem Leben, ihn dabei nicht aus den Augen lassend.
Wie in einer Werkstätte ging es in diesem Antlitze zu; ein Funkensprühen, Zucken, Hämmern und Aufschrecken.
»Fragen Sie nicht darnach«, sagte er und dachte, wie er sonst prahlend mit seiner Vergangenheit losgelegt und wie feig er jetzt war und sich zum Trotz schleuderte er ihr entgegen: