»Da müssten Sie Ihr Kleid noch sorgfältiger zusammennehmen, Estella Brand, wenn Sie davon hörten!«

»Mag sein«, rief sie mutig und ihre Augen leuchteten, »aber ich würde es gleich zusammengenommen lassen und fest zurückbinden und auch noch die Ärmel dazu, und mich mutig an die Arbeit stellen. Ja, das würde ich! Das sollte mir ein gesundes, tüchtiges, prachtvolles Arbeiten werden. Wollen Sie, Herr Makassy?!«

»Ich habe zu viel an mir herunterbröckeln sehen«, erwiderte er nervös und begann unruhig auf und ab zu gehen. »Ich brauchte bis an mein Lebensende mit dieser Arbeit, diesem Ausbessern eines zerfallenen Hauses und dürfte nichts als Steine tragen und Mörtel, den Kopf zu Boden, und ich sähe nichts als mein graues, trauriges Haus – und übersähe die Welt dabei!«

»Die Welt!« rief sie lebhaft und sah in sein lebensdurstiges Gesicht. »Was ist denn die Welt, diese Welt? Ich glaube, es ist nicht viel dahinter. – Mir erscheint sie wie eine schöne, kluge Frau, die immerfort Karten schlägt und voll von Rätseln ist, die sie nicht löst und voll von Versprechungen, die sie nicht hält. Sie sitzt lächelnd vor ihrem Tisch und schaut sinnend von einem zum andern, – denkt aber nichts dabei; sie zeigt mit feinem Finger von dem zu dem und flüstert jedem verheissungsvoll ein Wort zu, nach dem er gierig lauscht, und diesem Worte jagt er atemlos nach und wenn er endlich erfahren hat, was es bedeutet, so sieht er, dass es nicht der Mühe wert war. Da tritt er hin vor die falsche Frau, will Klage erheben und sie zur Rechenschaft ziehen – aber sie schaut ihn kalt an – sie hat nicht Herz noch Verstand – – – und hält dennoch die Menschen in Atem – und Sie, Herr Makassy, sind Einer im Gedränge, Einer von Tausend!« Sie atmete tief auf.

»Ich baute lieber an dem stillen, grauen Hause, dass es was Rechtes werde, was Festes, das mich weghöbe über ›diese Welt‹ und beschütze davor. Da setzte ich mich hinein in diese Festung, die hoch über ihr steht und schaute in meine ureigenste, innerliche Welt – und lachte über die schöne, falsche Frau.«

Aber er war nicht so arbeitslustig; er hatte zu lange gefeiert und bat nun:

»Seien Sie nicht so tüchtig, Estella, streifen Sie Ihre Ärmel wieder vor und lassen Sie das geschürzte Kleid hinunter – – seien Sie wieder so sonntäglich wie zuvor!«

Und sie tat es und lachte.

»Wenn Sie nicht arbeiten wollen und umbauen, so müssen Sie sich freuen können darüber, so wie es ist. Nicht hinstehen und jammern oder gar meinen Sonntag angähnen. Da bin ich Lehrmeisterin – in der Freude, – ich will Sie die Freude lehren!« Lachend drehte sie sich im Kreise herum.

»Sehen Sie um sich, da liegt sie schon – rings um Sie – Sie müssen sie nur nehmen. Sehen Sie, hier und dort und überall!« Dabei zeigte sie nach allen Richtungen.