Dazwischen irrte sein Auge wieder und wieder ruhelos zu ihr hinüber. Warum war sie so heute?

Haltloser – unbewaffnet. Und es wurde ihm unbehaglich. Er fühlte sich allein gelassen, ganz auf sich angewiesen. Ein Schwanken entstand um ihn und unmerklich entglitt ihm seine mühsam errungene Festigkeit. Auf einmal sah er etwas bequem vor sich liegen, wozu er einen weiten mühseligen Weg ersparen konnte. Und das Schwanken wurde stärker und der Wille schwächer und bevor er's dachte, war er hineingeraten in seine eigene Seele, wo sie am dunkelsten war.

War es nicht am Ende gleichgiltig, was sie beide zusammenführte. Warum sollte er hier zaudern? Das unselige Blut seines Vaters begann sich in seinen Adern zu rühren und regen und ohne dass er's wusste, entschlüpften ihm die leichtsinnigen Worte:

»So ist's recht, Estella Brand!«

Estella sprang auf, erschrocken über solche Vertraulichkeit – den ganzen, wahren Sinn der Worte hatte sie nicht erfasst – und streckte wie abwehrend und sich schützend beide Arme vor.

Und noch während sie so stand mit erhobenen Armen, musste sie denken: »Lass die Posen« und schämte sich. An ihr lag der Fehler; wie durfte sie sich so gehen lassen; je mehr sie's bedachte, desto mehr fand sie die Schuld auf ihrer Seite.

Da geschah etwas Schönes.

Zaudernd und errötend ging sie ihm entgegen und bot ihm ihre Hand. Es war Verzeihen und Abbitte.

Nichts hätte ihn mehr bewegen können und auch er machte sich auf, auch er wollte sein Bestes geben und begann sich anzuklagen:

»Es ist nicht nur das zu verzeihen, was Sie gehört, sondern vielmehr das, was Sie überhört haben an meinen Worten,« sagte er und dachte: »Eckig, wie ein Schulmeister, rede ich daher.«