»Ich habe eine Gedankenschuld gegen Sie, und zwar – – – –«

Weiter kam er nicht; die Wahrheit stand vor ihm, sträubte sich und stellte sich seinen Worten entgegen.

Gutes wollte er geben, das Geschenk der Wahrhaftigkeit wollte er darbringen, – aber, die war gehässig geworden und widerharig, dass er sie fürchtete. Um Estellas willen wollte er's versuchen, die so schön vor ihm stand und in glücklicher Erwartung an seinen Lippen hing, das Geständnis dankbar zu nehmen, welcher Art es auch sei: Aber das Warten war umsonst. –

Verbittert und freudlos zwang er sich vor die Leinwand, aber die Arbeit schickte auch keinen Trost.

Da verliess er den Garten des Privatiers und zwei traurige Mädchenaugen schauten ihm nach. – –

Müde ging Estella in das Haus hinein.

Der Onkel, der ausgegangen war, hatte nachhause sagen lassen, dass er diesen Abend gar nicht heimkäme, sondern einer Herrengesellschaft beiwohnen werde. Droben in seinem Arbeitszimmer lägen neue Bücher für sie zum Zeitvertreib. Wie besorgt er um ihre Einsamkeit war.

Nach dem Abendtisch holte sie sich dieselben auch. Aber dieses gedankenabwesende Herumblättern hatte gar keinen Sinn.

Energisch stand sie auf, läutete der alten Dienerin, liess sich in der roten Stube Licht machen, setzte sich ans Klavier und spielte Beethoven. Zu ihm nahm sie Zuflucht. Es redete ein Grosser zu ihr. Von den Leiden der Welt, von den Qualen der Seele. Der nahm ihre kleinen Schmerzen mit fort. Des Mächtigen eigene Worte fielen ihr ein: »Wer meine Musik wahrhaft versteht, der muss frei werden von all' dem Elend, womit sich die Andern schleppen«.

Und die Töne schienen ihr vom Himmel geschickt. Die hatte er sich einst selber von dorten geholt, als seine gigantische Seele im Kampf mit dem Irdischen lag und er hatte ein Stück Ewigkeit damit auf die Welt gebracht. –