»Ach, diese Liebe«, erwiderte sie verächtlich, »die man so geringschätzig empfangen kann, das ist auch eine darnach! Da muss man keiner der grossartigen Makassy's sein, da brauchen auch die andern nicht zu knieen in Ehrfurcht. Die lungert in allen dunklen Gassen und Gängen und bettelt um Einlass – da wäre es grösser, sie gar nicht zu empfangen!«
Eine hässliche Antwort lag ihm auf der Zunge, aber an solch' kühlem Ernste und an so viel klarer, sittlicher Natürlichkeit scheiterten seine schwankenden Argumente.
Vor einem einfältigen Mädchen wurde er unsicher und zaghaft wie ein Schulknabe. Das erste Mal im Leben; und es machte ihn mutlos. Dazu kam noch die Furcht, sie zu verlieren, die hockte wie ein Gespenst zwischen all' seinen Erwägungen. – – Sie zu verlieren, ohne sie besessen zu haben, – ohne – diese köstliche Kraft gebrochen zu haben, mit der sie – lachend, ohne nach ihm zurückzusehen – ihre hellen, heiteren Wege weitergewandert wäre – – niemals! Er liebte sie. –
Aber an diesem Nachmittag schieden sie von einander – hoffnungslos, – nachdem vergeblich Eines auf ein Wort des Andern gewartet hatte.
Doch es war eine Hoffnungslosigkeit von heute auf morgen, schnell geklärt und vertrieben durch Jugend und Sehnsucht.
Am andern Tage schon, als Makassy kam, schien all' das Schwere versunken und das Leichte, Frohe zur Oberfläche gestiegen. Sogar äussere Ereignisse gewannen an Wert und erfüllten sie beide ganz.
Makassy hatte Einladungskarten zu einem Künstlerfeste mitgebracht, das in der Hauptstadt des Landes in einigen Tagen stattfinden sollte. Künstler der ganzen Gegend mit Frauen und Töchtern und eine kleine Schar Geladener würden kommen, es sollte ein zwangloses Gartenfest werden mit Tanz und Maiwein.
»Da wollen wir uns festlich machen und alle graue Weisheit vertreiben und verwirbeln im Tanzen und Lachen!« rief sie entzückt.
»Wieviel poetischer ist doch Estella Brand ohne allzuviel Gründlichkeit!« scherzte er und ein Verlangen kam über ihn, sie einmal, wenn auch nur auf Stunden, herauszuholen aus der gewohnten Umgebung in weitere Verhältnisse – – heraus aus dem ängstlichen Garten – – über die Heide mit ihr auf wilden Pferden – – allein! –