Der alte Brand kam durch den Garten her und erfuhr die Neuigkeit. Erst mit Zurückhaltung, wie einer, dem nichts Übereiltes passieren darf, – dann mit Wärme, als er des Mädchens Freude sah. Dachte er doch an seine eigene Jugend, wo er auch gerne ein Tänzchen schlug. Das vergass er nicht, wie das sonst dem Alter gerne passiert. Und wenn damals die blasse Maria Hagen nicht gestorben wäre – mit ihrem wundervollen dunkeln Haar – dann hätte er vielleicht selbst eine Tochter mit 20 Jahren, die er zu einem Feste führen müsste. Das war schliesslich auch ein Grund. So sagte er dem Maler Dank und gab ihm seine bestimmte Zusage.
Es begannen Tage voll heiterer Arbeit für Estella. Sie richtete sich ihren Staat zusammen, ein weisses Seidenkleid, dessen viereckiger Halsausschnitt vergrössert wurde, da der Hals zu hübsch war und – Makassy ihn noch nicht gesehen hatte. Für alles sorgte sie selber, es war ein Eifer, ein Vorbereiten, ein verhaltener Jubel.
»Wie ist doch alle Gegenwart wichtig und wertvoll,« dachte sie vergnügt, »wenn Zukunft dahinter steckt!«
Sie konnte es kaum erwarten bis sie am nächsten Vormittage mit ihren hübschen Sachen im Köfferchen am Bahnhof stand und die beiden Herren ihr in den Wagen halfen. Auf der Fahrt sprach sie nicht viel; es war ein Hindrängen auf den Abend, ein Vollsein von Gedanken.
Die Gegend wurde während der dreistündigen Fahrt immer reizloser und eintöniger. Lange graue Ebenen, arme einsame Dörfer, dünne, dürftige Wälder – bis man endlich am Bahnhofe der Hauptstadt ankam.
Brand und das Mädchen fuhren nach einem Hotel; Makassy wollte sie um 8 Uhr am Eingang des berühmten Stadtgartens, wo die Feier stattfand, erwarten.
Estella machte sorgfältigst Toilette. Der Onkel lachte über ihre Ausdauer, sonst ging das so schnell bei ihr und sie war sich leicht gut genug. Als sie aber um ½8 aus ihrem Zimmer trat – da tat er selber schnell noch einmal einen Schritt vor den Spiegel, ob er nicht allzusehr abstechen würde von ihr und führte dann seine Nichte mit breitem Stolz zum Tanz.
Sie fuhren nach dem Stadtgarten. Das Mädchen sonst mit dem angenehmen Bewusstsein, heute mit dem bangen Wunsche, zu gefallen. Und heute wollte sie doch nur einem gefallen, sonst Vielen.
Nun stiegen sie aus, traten durch die äussere Pforte in den Park und hier erst wölbte sich ein zweites Tor, die eigentliche Eingangspforte empor, mit Tannenguirlanden umwunden und bunten Bändern. Dazwischen sassen unzählige Glühlichter, die noch zaghaft leuchteten, da der scheidende Tag noch nicht gegangen war.
Man sah ein buntes Gedränge und erst jetzt fiel es ihr ein, dass noch wer anderer als Makassy allein bei dem Feste sein werde.