Der Maler kam auf sie zu. Als er Estella sah, erschrak er, weil sie so schön war. Sein Künstlerauge war geblendet, seine Künstlerseele berauscht – aber es war nicht das, warum er erschrak. Der Weltgewandte, Aalglatte fand kein Wort, das er ihr hätte sagen können. Er war wie benommen und ganz dunkel ward ihm bewusst, dass er ja Gäste vor sich habe und Brand und das Mädchen einführen müsse. Ihnen den Weg bahnend, führte er sie an einen der geschmückten Tische.
Die Beiden sahen sich um.
Es war zauberisch schön unter diesen hohen, uralten Bäumen, die in gleichmässigen Entfernungen voneinander in den prächtigen Anlagen standen. Da waren plätschernde Fontänen und Blumenboskette, üppige südländische Palmen und Blattpflanzen, dazwischen knirschende Wege mit feinem roten Sande bestreut. Es waren Buden aufgeschlagen und Weinkneipen, wo die Künstler selber den Maiwein kredenzten. Mitten in einem der Rasenplätze war ein origineller Stand für den Glückshafen errichtet, gefüllt mit interessanten Skizzen und Bildern und Plastiken und überall wehten Wimpeln und farbige Tücher, für die nur Künstler die rechten Plätze zu finden wissen. Ein anderer kurzgeschorener Rasenplatz bildete den Tanzboden.
Nach und nach wurden auch die Lampions angezündet und standen trotz ihrer hundert bunten Farben in einem milden, ruhigen Lichte zwischen den dunkeln Bäumen.
Ein Leben und Treiben entwickelte sich, die Musik hatte begonnen und der Tanz, Reden voll Geist und Witz klangen durch die Nacht, Gesänge huben an, hübsche Frauen und Mädchen in wallenden Gewändern drängten sich zu den Buden, die Weinkneipen wurden umlagert, Lose wurden lachend aufgerissen – es war ein Leben und eine Lust, wie es Estella nie gesehen.
Es hatten sich Maler und Bildhauer um das schöne Mädchen gedrängt, es wurde gefeiert und mit Blumen übersät. Die Künstler haben offene Seelen und offene Hände, wo sie bewundern.
Sie war entzückt von allem: von dem Feste, den Menschen, dem Wein, ihren Erfolgen und sie war heiter und ihr schönes Lachen erklang in einemfort.
Nur manchmal, wenn ihr Blick sorglos von aussen dahergeflattert kam, verfing er sich in Makassy's zwingenden Augen und blieb angstvoll minutenlang darinnen liegen.
Es waren Stunden vergangen, seit er seine beiden Gäste wie im Traum von der geschmückten Pforte zu dem Tische geführt hatte. Estella war indessen ungezählte Male aufgestanden und weggegangen zu den Buden und zum Tanz und wiedergekommen, immer umringt und in Anspruch genommen von einem Kreise huldigender Künstler, die sich mit überströmendem Eifer um sie bemühten.
Wie betäubt sass er an seinem Platze.